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	<title>Deutsche Gesellschaft José Ortega y Gasset &#187; brain &amp; mind interaction</title>
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	<description>Förderkreis Lebendige Kultur e.V.</description>
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		<title>EMPATHIE     und     SPIEGELNEURONEN</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 17:54:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gkuehnle</dc:creator>
				<category><![CDATA[brain & mind interaction]]></category>

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		<description><![CDATA[Empathie  und   Spiegelneuronen  
Unser Gehirn interpretiert fortwährend die Umwelt und gestattet es uns damit in aller Regel, die richtigen Einstellungen zu der Aussenwelt und Bewertungen der Umweltereignisse herzustellen. Spiegelneuronen des Gehirns simulieren beispielsweise automatisch, wie sich unsere Mitmenschen verhalten und vermitteln uns oft sogar Einsichten in das Handlungsmotiv des anderen Menschen. Wir können den Geisteszustand anderer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Empathie  und   Spiegelneuronen  </h5>
<p>Unser Gehirn interpretiert fortwährend die Umwelt und gestattet es uns damit in aller Regel, die richtigen Einstellungen zu der Aussenwelt und Bewertungen der Umweltereignisse herzustellen. Spiegelneuronen des Gehirns simulieren beispielsweise automatisch, wie sich unsere Mitmenschen verhalten und vermitteln uns oft sogar Einsichten in das Handlungsmotiv des anderen Menschen. Wir können den Geisteszustand anderer erfassen, indem wir uns in ihn hineinversetzen (Empathie). Spiegelneuronen sind an der Entschlüsselung unserer Fähigkeit, zu verstehen, was in anderen vor sich geht, exorbitant funktional beteiligt. Sie versorgen uns mühelos mit Informationen über das Innenleben eines anderen Menschen, unserem Gegenüber.</p>
<p><strong>Die Entdeckung von Spiegelneuronen hat erstaunliche Erkenntnisse hervorgebracht: Ihre relativ einfachen physiologischen Eigenschaften ermöglichen uns, zu erfassen, was im Geist anderer Menschen vor sich geht.</strong></p>
<p>Diese Fähigkeit galt bis in jüngste Zeit als ein unmögliches Unterfangen. Spiegelneuronen des Gehirns  simulieren nämlich automatisch, wie sich unsere Mitmenschen verhalten und was sie dazu antreibt. Wir können ihre Motive dechiffrieren und ihre voraussichtliche Handlung über jede Suggestion hinaus im voraus erfahren, ob sie nun erfolgt oder maskiert ist, ob sie unterdrückt wird oder einem motivationalen Surrogat (z.B. Übersprunghandlung) weicht. </p>
<h5 style="text-align: center;">Was sind Spiegelneuronen? </h5>
<p style="text-align: center;">Der Name  des Systems  wurde  1996 von dem Neurophysiologen <strong>Vittorio Gallese</strong>  und Partner (Universität zu Parma) geprägt. Siegelneuronen sind in der Nähe der primär-motorischen Rinde des Gehirns lokalisiert, dessen elektrische Signale direkt unsere Muskeln steuern. Sie sind nicht an dem  willentlich kognitiven Aufwand beteiligt, der zu betreiben wäre, in die Haut eines anderen zu schlüpfen. Das Netzwerk umfasst weiter den oberen Scheitellappen und den hinteren medialen Stirnlappen. </p>
<p> Siegelneuronen sind Nervenzellen, die nicht bloß dann  feuern, wenn eigene Bewegungen ausgeführt werden, so stellten die italienischen Forscher fest, sondern auch beim Betrachten  fremder Aktivitäten. Der Hang zum Imitieren und die Fähigkeit zur Einfühlung fanden damit ein Interpretationskonstrukt für ihr basales Substrat. Die aktuelle Medizin in Deutschland, z.B. die Neurologie und Psychiatrie, sehen auf dem Felde der Rehabilitation bei Schlaganfallpatienten realistische Regenerationschancen, wie auf dem jüngsten Neurologenkongress  2011 in Wiesbaden zu erfahren war. Selbst die Kombination von Akustik und Motorik  unterstützt die Rehabilitation, wenn der akustische Input (Musik) mit der Vorstellung von Bewegungsmustern (z.B. Tanz) verbunden wird.</p>
<h5 style="text-align: center;">Empathie als Weg zum Unbewussten des Anderen </h5>
<p>Neurowissenschaftler untersuchen neuerdings, woher unsere Empathiefähigkeit rührt. Sie aktivieren die Interaktion zwischen der emotionalen, der unbewussten  und  dem Neocortex, der mentalen, bewussten Sphäre. Es gibt offenbar zwei getrennte Netzwerke im Gehirn, die für das Mitgefühl zuständig sind. Beide sind beispielsweise aktiv, wenn wir aus den Blicken unserer Mitmenschen „lesen“. <strong>Sigmund</strong> <strong>Freud</strong> prägte für den immer schnell intuitiv verfügbaren Eindruck vom Innenleben anderer Personen den Begriff<strong> Einfühlung</strong> (Empathie).  <strong>Spiegelneuronen</strong> sind also ein Instrument der sozialen Kognition. Sie stehen vor allem im sogenannten Weltbezug anderer Menschen (Bewegungen, körperlich greifbare Phänomene).</p>
<p>Das zweite relevant aktive System von Nervenzellen ist das <strong>soziale neuronale Netzwerk </strong>Es ist an unserer Zuschreibung von Gefühlszuständen anderer Menschen neben den Spiegelneuronen beteiligt und stellt  uns demgemäß den Personbezug her. Die Amygdala, temoropolarer Kortex, mediale Bereiche des Stirnhirns  sind aktiv. Beide Sphären vermitteln die Fähigkeit, uns in die Gemütszustände und auch Kognitionen anderer einzufühlen. Sie gestatten einigen mit besonderer Intuitionskraft begnadeten Persönlichkeiten gewissermaßen auch Gedanken anderer Menschen zu lesen.</p>
<h5 style="text-align: center;">Empathie und Ethischer Egoismus: Ein innerer Widerspruch?</h5>
<p style="text-align: left;">Lässt sich das Merkmal sozial bzw. eigennützig  als einheitliche moralisch positive Eigenschaft der Persönlichkeit denken? Gemeinhin gelten Egoismus und Altruismus als unvereinbare Maximen menschlichen Handelns. Wenn wir auch von Natur keine egoistischen Einzelgänger sind, so sind wir noch lange keine selbstlosen Menschenfreunde, denen nichts so sehr am Herzen liegt wie das Wohl und Wehe ihrer Nächsten. Unsere Natur vereinbart die offenbar wohl nur scheinbaren Gegensätze von sozialer bzw. eigennütziger Handlungstendenz in uns, weil beide im Konzert miteinander erst das Leben in Gemeinschaftermöglichen. Faktisch bewirkt das Zusammenspiel von Eigennutz und Gemeinsinn, daß sich Gesellschaft innovativ und sozialverträglich entwickeln kann.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Gut ist, was mir nützlich ist: Eine Handlungsmaxime, die auf der moralphilosophischen Grundannahme von Thomas Hobbes (1588-1679) beruht und die Selbsterhaltung als das oberste Ziel des Menschen ausweist. Gewiß, eine extreme Position! Hätte es aber in unserer Phylogenese an Wahnsinn grenzende Extreme nicht gegeben, wir hockten wahrscheinlich noch immer friedlich und gelangweilt in Höhlen und auf Bäumen.</strong></p>
<p style="text-align: left;">Menschen können sich durchaus gleichzeitig egoistisch und sozial verhalten. Die immer als gut und moralisch determinierten Fähigkeiten z.B. Fairnis und Empathie, die Tendenz also, dem anderen seinen Spielraum (vgl. José Ortega y Gasset) zu belassen  oder Mitleid, Mitgefühl zu zeigen sind oft verknüpft mit sozialen  Formen unseres Verhaltens, die häufig in Verdacht geraten, das Gegenteil zu sein. Sozial ist nämlich auch die Fähigkeit, andere zu durchschauen, sie herumzukommandieren, sie in den Dienst unserer Zwecke zu stellen (Arbeitgeber und Unternehmer) oder sie vielleicht auch hinters Licht zu führen (Werbung).</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<h5 style="text-align: center;">Gefühlsverlust und kalt bis ans Herz:</h5>
<h5 style="text-align: center;"> Dissozial determinierte Persönlichkeit ?</h5>
<p style="text-align: left;">Gefühlsrohigkeit  und eine psychische Anmutung, die uns manchen Menschen als eine Persönlichkeit wahrnehmen lassen, die kalt bis ans Herz zu sein scheint, sind wohl selten natürliche Eigenschaften der Conditio humana. Ohne wechselseitiges Einfühlungsvermögen wäre eine Kulturmenschheit nicht vorstellbar. In jüngerer Zeit gelang es der neuromedizinischen Forschung in Absicht, die Ursachen der Alzheimer-Demenz zu ergründen, hirnorganische Zerfallprozesse im zingulären Kortex, der vorderen Inselrinde, im frontalen Pol: Stirnlappenspitze, orbifrontaler Kortex und im temporalem Pol (Schläfenlappenspitze) zu verorten. Diese Entdeckung überraschte die Forscher,  tritt bei der Alzheimerkrankheit  das Neuronensterben doch typischer Weise in hinteren Hirnregionen auf. Als Folge registrieren wir allgemein einen schleichenden Verlust des Denk- und Erinnerungsvermögens  beim Menschen etwa  jenseits des 60. Lebensjahres.</p>
<p style="text-align: left;">Anders dagegen die oben erwähnte Form, die mit<strong> frontotemporale Demenz (FTD) </strong>bezeichnet wird und von der in der Regel jüngere Menschen, Personen unter 60 Jahren betroffen sind. Das Leiden führt im allgemeinen innerhalb von 8 Jahren zum Tod.   Forscher schätzen aufgrund empirischer Annahmen: Betroffen sind etwa 15 von 100 000 Menschen im Alter von 45 bis 64 Jahren. Nicht deren Gedächtnis wird geraubt, sondern ihre Fähigkeit zur Empathie, sie erleiden Gefühlsverlust, sind oft kalt bis ans Herz, zeigen stark dissoziales Verhalten, neigen zu Kriminalität und verlieren gewissermaßen ihre Mitmenschlichkeit. Neurowissenschaftler haben entdeckt, daß wir demgemäß über die pathologisch unbeeinflusste Funktion bestimmter  Hirnstrukturen  in der rechten Heminsphäre, vor allem im Bereich  des Schläfenlappens,  verfügen müssen, um warmherzige, kontakfreudige, kommunikativ kompetente Menschen zu sein. Vor allem spielen hierbei Wechselwirkungsprozesse im orbifrontalen Kortex, der vorderen Inselrinde und im rechten Mandelkern eine Verhalten beeinflussende Rolle. Gefühlskälte und Gefühlsrohigkeit sind herausragende Negativa der Persönlichkeit  von Menschen, die an FTD erkrankt sind. Verhaltensformen, die wir häufig einem genetisch negativ determinierten Charakter zuzuschreiben  gewohnt sind, erweisen sich in Wirklichkeit  als  pathologische Erscheinungsformen einer Sonderform von Demenz bei jüngeren Menschen. Nicht ein dissozial determinierter  Charakter, eine Anlage, die Mitgefühl verhindert,  sind konkret der Fall, sondern das pathologische Faktum eines zerfallenden Charakters.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Wissenschaft und Forschung haben immerhin aus dieser Erkenntnis einen nicht gering zu schätzenden Vorteil in Absicht der Selbstauslegung des Menschen gefunden: Die Entdeckung des Krankheitsbildes von FTD und seiner basalen Lokalisation lehrt die Forscher, auf welcher neuronalen Basis unser Sozialverhalten und die charakterlichen Eigenschaften des Menschen beruhen. FTD-Patienten geben Forschern Einblicke in das neuronale Fundament von Selbstwahrnehmung und sozialer Kompetenz! Wissenschaftler sind beim Erforschen der Krankheit der Lösung einer kulturevolutiven Frage sehr viel näher gekommen:  Erkenntnisse über Entstehung und psychosoziale Wirkung der Krankheit FTD zeigen, was uns  überhaupt erst menschlich macht! Bisher haben Ärzte und Angehörige in Unkenntnis oben gezeigter Zusammenhänge erste Symptome der Krankheit  irrtümlich als Ehe- oder Lebenskrise beurteilt.</strong></p>
<p style="text-align: left;">Das Beispiel zeigt auch, daß sich  die anatomischen Grundlagen von Persönlichkeitsmerkmalen nie auf einzelne Hirnstrukturen eingrenzen lassen. Es scheint wesen tlich darauf anzukommen, wie gut der Informationsaustausch bestimmter Regionen funktioniert und wie diese zu intrinsischen Netzwerken sythetisiert sind. So filtern die in der Inselrinde und dem vorderen zingulären Kortex verschalteten Neurone in Windeseile aus sinnlichem Input, aus Gefühlen und sozialen Signalen, die das Gehirn im Sekundentakt überschwemmen, die wichtigsten heraus. Auf diese Weise analysiert das Netzwerk Präferenzmotive und zeigt, was gerade aktuell für den Organismus wichtig ist, seien es Hunger oder Sexualität oder eine angespannte zwischenmenschliche Situation. Bricht eben dieses Netzwerk unter Einwirkung einer FTD-Erkrankung zusammen,dann reagieren die Betroffenen nicht mehr auf soziale Signale, erleiden  Gefühlsverlust, Verlust der sozialen Kompetenz und können Verhaltensformen zeigen, die, kalt bis ans Herz, markante Merkmale der abnormen Persönlichkeit  zum Vorschein bringen.</p>
<p style="text-align: left;"> Forensisch ist dieser Aspekt dann von Bedeutung, wenn beurteilt werden soll, ob z.B. eine Tat aus genetisch determinierter Kaltherzigkeit roh und unmenschlich  verursacht ist oder ob ein Kausanlnexus zwischen Motiv und FTD-Erkrankung besteht. In diesem Sinne wird noch lange nicht jeder &#8220;kaltblütig ermordet&#8221;, der Opfer eines Täters wurde (insbesondere im Falle der unterlassenen Hilfe), dessen Motiv nur scheinbar im rohen Gemüte aufzusuchen sein dürfte. Eine eher sensible und humane Rechtssprechung wird künftig stärker zu bedenken haben, ob eine pathologische Abnormität des Gehirns als Trivialität eines dissozialen  Charakters  eine kriminologische Absurdität  der Justizakteure  im Sinne von beruflicher Selbstbefriedigung rechtfertigt.</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<h5 style="text-align: center;">Unterwegs von der Wahrheit des Gerhirns  zur Wirklichkeit der Welt</h5>
<p style="text-align: left;">Unsere Fähigkeit, Gruppen zu bilden ist nicht nur Ausdruck einer Bindungsleistung zu anderen Menschen, sondern auch eine Tendenz zur Polarisierung: Denn Gruppenbildung bedeutet auch, andere Menschen auszuschließen und Nichtmitglieder der Gruppe zu benachteiligen (z.B. Gewerkschaften, Kirchen). Faktisch sind unsere sozialen Fähigkeiten auch ein gutes Interpretationskonstrukt für Klischees, Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile und Diskriminierung. Umgekehrt hat eigennütziges Verhalten nicht immer negative Konsequenzen, sondern vermag andere zu höherer Leistung, zur Konkurrenz zu motivieren. Wäre nicht eine Gesellschaft aus lauter sanftmütigen Menschenfreunden überhaupt sterbenslangweilig? Es leuchtet ohne weiteres ein, daß eine Gesellschaft ohne Altruismus und Empathie nicht funktionieren kann. Wir benötigen aber auch, wie gezeigt wurde, die Bereitschaft, miteinander zu wetteifern, gemeinsam die Jagd auf Ressourcen materieller und geistiger Art auszuüben, uns durchzusetzen und Risiken zu wagen, wenn sich Gesellschaft kulturell und materiell evoluieren soll. Wir benötigen also beides: Natur und Kultur, Empathie und Egoismus. Es wäre jedenfalls absurd, soetwas wie das Wesen des Menschen in die eine oder andere Richtung allein determiniert verorten zu wollen.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Die gesellschaftspolitische Konsequenz daraus ist die Erkenntnis und politisches Handeln gemäß dieser Erkenntnis:</strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Wir dürfen es nicht der Natur überlassen, Korrektiv und Regulativ der negativen  Anlagen meschlichen Sozialverhaltens zu sein, sondern eine Entscheidungsinstanz wählen, die über die negativen  Seiten unseres Sozialverhaltens wacht ohne dessen positive Seite allzusehr einzuschränken. Ziel ist es, im Menschen das motivationale Mixtum Compositum von Konkurrenz und Kooperation zum Durchbruch zu bringen, ohne das weder ein Fußballspiel noch ein Weltraumflug mit multinationaler Besatzung funktionieren würde. Leidenschaft und Moral, Natur und Kultur, Enpathie und Egoismus: Wir benötigen beide Kräfte</strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong></strong> </p>
<h5 style="text-align: center;">Kann man Empathie lernen? </h5>
<p>Auf das Theorienfeld der Wirklichkeit empirischer Forschung verwiesen, entdeckten in jüngerer Zeit immer mehr Hirnforscher den  Einfluß von Spiritualität auf das praktische Leben. Die Meditation erweist sich als eines von mehreren brauchbaren Strategien, auf unser und anderer Menschen Innen Einfluß zu nehmen, wenn via Meditation Übungen der sogenannten liebevollen Zuwendung  dabei eine inhaltlich bewusst eingesetzte Rolle spielen. </p>
<p> <strong>Mit dieser Strategie werden Hirnareale, die Empathie und Mitgefühl vermitteln, verstärkt. Die Empathiefähigkeit basiert auf den Bedingungen subjektiver Möglichkeit, die Emotionen anderer Menschen  nachzuvollziehen, indem man in sich selbst ähnliche neuronale Muster erzeugt. Hier spielt die Insula  eine zentrale Rolle auf dem Weg des richtigen Wahrnehmens und Erkennens eigener Gefühle.</strong> </p>
<h5 style="text-align: center;">Neuroplastizität  evoziert  eine  unbewußt erfahrene Fremdbestimmung </h5>
<p> Mit Neuroplastizität bezeichnen Forscher die Veränderungen von Struktur und Arbeitsweise subjektiver Hirnareale durch exogene Wirkung. Bei intensiver Einfühlung in Alter Ego oder auch im Falle mechanischer Prozesse (z.B. Klavier spielen) bildet sich in relevanten Arealen unseres Gehirns ein entsprechendes Korrelat ab. „Falsche“ Liebe, schlechte Freundschaften, eine langzeitig intensive Einfühlung/Zuwendung in einen anderen Menschen können die eigene Persönlichkeit, das Selbstwertgefühl (Sadismus, Masochismus, Schwulenliebe) negativ beeinflussen, wie ebenso umgekehrt (z.B. automatische Internalisierung von Werten und Normen der Vorbilder). In aktiver Einfühlung der labilen Persönlichkeit  in ein Gegenüber mit negativem Charakter (Destruktionstypen) besteht auch die Gefahr der Selbstentfremdung bzw. Selbstzerstörung, wenn das Ich mit dem Alter Ego zu verschmelzen droht.</p>
<p><strong> Blackout im Erleben des Kicks als Erfahrung  höchster Erfüllung geschlechtlicher Liebe</strong> </p>
<p> Der geschlechtliche Liebesakt als Höherstufung der Persönlichkeit in kultureller Dimension, dem <strong>Max Scheler</strong>  in seiner höchsten Entfaltung ein quasi metaphysisches Niveau zusprach, erfährt in der naiven Anmutung des Sprichwortes: <em>Ehen werden im Himmel geschlossen</em>, einen tiefern Sinn. Den hormonell gesteuerten Kick allerdings, den Sexualpartner  nach  Schelers beeindruckendem Bild : <strong>im  rauschartigen Dahinschweben der Körper in ihrer Verschmelzung zur Einheit erleben, </strong>vermochte die aktuelle Hirnforschung nicht im Sinne von Schelers Verständnis im Reich der Metaphysik zu  verorten. Das bei den meisten Menschen im Orgasmus erlebte quasi übersinnliche bis übernatürliche Gefühl beruht auf einer Art Filmriss, auf einem <strong>Blackout beim Koitus</strong>, wenn der Hippocampus uns urplötzlich und für relativ kurze Zeit so etwas wie einen Gedächtnisverlust vorgaukelt. Tatsächlich erleben viele Menschen unmittelbar Orgasmus-post eine vorübergehende Gedächtnisstörung (Post coitus omne animal triste).</p>
<h5 style="text-align: center;">Zur Janusköpfigkeit der Sexualität  </h5>
<p> Mit dieser koitalen Amnesie befinden wir uns aber noch lange nicht im übersinnlichen, im einem von jeglicher Erfahrung  unabhängigen Raum. Neurowissenschaftler vermuten als Ursache eine vorübergehende Durchblutungsstörung, ausgelöst durch Sauerstoffmangel. Eine Problemlösung wird die Hirnforschung wohl bald anbieten können. Ein Ausweg zur Metaphysik aber wird wahrscheinlich keine gute Spur sein, weil diese Folgen des kulminativen Kicks beim Geschlechtsakt offenbar auch einigen Tierarten eigen und bei diesen zu beobachten ist. Wir werden uns  wahrscheinlich damit abfinden müssen, dass selbst die erhabensten und am meisten beglückenden  Erlebnisse geschlechtlicher Liebe im Hier und Jetzt auf der so unspektakulären Bezugsebene  des psychosomatischen Mikrokosmos ihren Ort haben. </p>
<p><strong>José Ortega y Gasset,</strong> der sich insoweit auf seinen Freund <strong>Max Scheler</strong> bezieht, unterscheidet die Sexualität  als einen psychosomatischen Prozeß auf einer entweder triebhaften und damit nur körperlichen Erfahrungsebene  oder  als ein ganzheitlich von der Persönlichkeit erlebtes Ereignis der Liebe zweier Menschen.  Das stärker körperlich-triebhaft erlebte und praktizierte Ereignis von Sexualität bezeichnet Ortega mit<strong> Geschlechtsinstinkt</strong>.  Die Liebe zweier Menschen im Erleben ihrer Sexualität im &#8220;rauschartigen Dahinschweben der Körper zum Erleben ihrer Verschmelzung zur Einheit der ICHE&#8221;, wie Max Scheler es ausdrückt, bezeichnet Ortega mit  <strong>Geschlechtsliebe</strong>. Der Geschlechtsinstinkt ist als rein körperlich behauste Sexualität demgemäß  nicht auf die Person, auf den Wesenskern des Partners gerichtet, sondern neigt dazu, diesen  für Triebentladung zu instrumentalisieren  Die Geschlechtsliebe dagegen ist die eigentliche, von Frauen weitaus stärker als von Männern erlebte Liebesform,  so Ortega. Sie ist dann der Fall, wenn in einem alle Sinne berausenden  Ereignis bei Vereinigung der Körper im Dahinströmen körperlich-geistiger „Gefühle“  so etwas wie übersinnliches Erleben erfahren wird (vgl. Goethe: sinnlich-übersinnlicher Liebhaber).  </p>
<p>Bei der Liebeswahl spielt die Intuition und das Erleben der Innenwelt  anderer Menschen aus  Ortegas Perspektive eine herausragende Rolle, um die Partnerwahl als glückliche Fügung bzw. Fügung des Glücks erleben zu können. Nur über Subjektivität können wir die Einzigartigkeit des Individuums in intersubjektiver Wechselwirkung erfahren.</p>
<p>Persönlichkeitspsychologen entwickelten vielfältige und aussagefähige Instrumente, um interindividuelle Unterschiede im Erleben und Verhalten von Menschen einordnen und beschreiben zu können. Die kognitiven Neurowissenschaften ermöglichen es heute, die biologischen Korrelate der Einzigartigkeit des Individuums zu ergründen. Liebeswahl hat also gute Chancen, zum langfristigen, zum dauerhaften Glück der Akteure gewissermaßen programmiert zu werden. </p>
<h5 style="text-align: center;">Big Five: Fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit</h5>
<p style="text-align: center;">Unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale entstehen im Wechselspiel zwischen Genen, der individuellen Anlage also, dem Gehirn und der Umwelt. Die Individualität eines Menschen wurzelt  in seinem Gehirn, näher hin in der Interaktion, im Austausch aller Areale dieses hoch komplexen und distributiven Systems. Das heute am weitesten verbreitete Model der Beschreibung von Persönlichkeitsmerkmalen umfasst fünf Faktoren, die  <strong>Big Five</strong>: </p>
<p><strong>Neurotizismus </strong>beschreibt eine emotionale Labilität, die sich in erhöhter Ängstlichkeit oder Reizbarkeit ausdrückt. Die Neigung zu Sorgen und die Tendenz zum Erleben negativer Emotionen gehören dazu. Menschen mit dieser Anlage sind weniger selbstbewusst. Ist dieses Merkmal nur gering in der Persönlichkeit repräsentiert, zeichnen sich Individuen mit guter psychischer Gesundheit aus- sie sind ruhig und gelassen, robust und zufrieden. </p>
<p><strong>Extraversion </strong>umfasst Aspekte der Geselligkeit, Aktivität, Erlebnishunger (Novelty Seeking) und die Tendenz, positive Emotionen zu erleben. Menschen mit dieser Anlage sind kontaktfreudig, herzlich, unternehmungslustig. Besteht aber nur eine niedrige Ausprägung dieser Anlage, dann treffen wir auch auf introvertierte und reservierte Menschen. </p>
<p><strong>Offenheit für neue Erfahrung. </strong>Repräsentiert dieses Merkmal  hohe Skalenwerte, erweisen sich Individuen dieses Schlages als kreative und phantasievolle Menschen, die alles Neue lieben. Sie zeigen hohes intellektuelles Interesse und zeichnen sich durch Experimentierfreude aus. </p>
<p><strong>Verträglichkeit</strong> beschreibt den affilialen Typus Persönlichkeit. Er ist umgänglich, vertrauensvoll, hilfsbereit, tolerant und nachsichtig im Allgemeinen. Kritische Menschen, Kritikaster, skeptische und feindselige Verhaltensneigungen zeigen hier exorbitant niedrige Skalenwerte. </p>
<p><strong>Gewissenhaftigkeit</strong> erreicht hohe Skalenwerte bei Persönlichkeiten, deren Charakter das Gepräge von Diszipliniertheit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ausweist. Menschen dieses allgemein als gut empfundenen  Schlages sind sorgfältig und ausdauernd, sie halten Versprechen und verabscheuen Betrug. Sie folgen in der Regel einen festumrissenen Lebensplan und sind Freude von Organisiertheit auf allen Gebieten. </p>
<h5 style="text-align: center;">Eifersucht und Egozentrik </h5>
<p><strong>José Ortega y Gasset</strong> ist überzeugt, dass der Mann bei der Liebeswahl im Grunde sich selbst sucht und wählt. Je besser hierbei eine Übereinstimmung, eine Harmonie der Körper und Psyche als Einheit, als  ideal verbundene Innigkeit eines überindividuellen Ganzen gefühlt und gefunden wird, umso stärker und nachhaltiger erweist sich das Wir-Gefühl in der Bewährung der Lebenswirklichkeit, der Umwelt. Und umso mehr unerträglich erscheint das Leben im Falle einer falschen Partnerwahl. Das Verschmelzen beider  Iche zu einer gewissermaßen ontologischen Einheit scheidet unter solchen Bedingungen aus. </p>
<p> <strong>Eifersucht, das wohl mithin heftigste unserer Gefühle, ist bei alledem ein Korrektiv zwischen Vertrauen und Betrug.  </strong>Krankhafte Züge können evoziert werden, wenn eine schwere psychische Störung regelmäßig in der Reizauslösung ihren Niederschlag findet. Hiervon affizierte Persönlichkeiten haben in der Regel eine allgemein negative Persönlichkeitsstruktur, sie sind Egozentriker und Egoisten, oft kalt bis ans Herz, neigen zu Haß und Hähme, kaprizieren  Liebe nur auf die eigene Person (Selbstliebe). Sie sind nicht fähig, Alter Ego um seiner selbst willen zu lieben. </p>
<p>Eifersucht ist eine angeborene Strategie der Evolution und keine erworbene Charaktereigenschaft, weil eine entsprechende  Regung der Seele schon bei Kleinkindern nachweisbar ist. <strong>Charles Darwin</strong> hat dieses Faktum  1877 schon in einem Bericht über seinen Sohn  William  beschrieben, nachdem er gegenüber seinem 15 Monate alten Sohn mit einer Puppe experimentelle Eifersuchtsreize veranstaltet hatte. </p>
<p> Evolutiv kann Eifersucht in Liebesbeziehungen verortet und begründet werden, weil ihr Mechanismus dazu beiträgt, die Weitergabe eigener Gene zu sichern. Zuverlässige Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen eher eifersüchtig sind, wenn der Partner sich auf emotionaler Ebene einer anderen zuwendet. Frauen fürchten stärker als Männer Gefühlsverletzungen. Die körperliche Dimension einer Kränkung z.B. durch Untreue erscheint aus dem evolutiv erklärbaren Gefühl der Frau weniger verletzend, denn sie weiß immer, von wem der Nachwuchs stammt.  Männer sind eher eifersüchtig, wenn sich die Partnerin körperlich einem anderen zuwendet und in ihrer sexuell verorteten Liebeswahl  unberechenbar wird, denn sie wissen nie, ob sie selbst  Erzeuger des vermeintlich (oder tatsächlich?) gemeinsamen Kindes sind. Japanische Forscher haben gezeigt, dass  Eifersuchtsreize bei Männern, nicht aber bei Frauen, im Hypothalamus und Amygdala repräsentiert sind, in einem Areal, das mit sexuellen und aggressivem Verhalten in Verbindung steht. </p>
<p> Unbekümmert und „glücklich“ dabei solche Menschen, die Liebe nur weitgehend körperlich erleben und auf diese Weise praktische Instinkthandlungen ausüben. Die Heterogenität auf diesem Felde, also die jeweiligen erotischen  Surrogate (der Ersatz zu einer einfühlenden Liebesbeziehung) sind bekanntlich Legion. Dabei ist der moralische Aspekt keineswegs negativ zu schätzen. <strong>Immanuel Kant</strong> betrachtete die Ehe offenbar stark versachlicht und meinte, sie sei  einfach nur eine Übereignung der Körper. Aus diesem Aspekt wird dann endlich auch unsere Gewohnheit, den Partner im sozialen Kontext mit einer besitzanzeigenden Konnotation zu bedenken, verständlich: Mein Mann bzw. meine Frau.<strong> </strong></p>
<p><strong></strong> </p>
<h5 style="text-align: center;">Ortegas empirisch begründete, tiefsinnige  Meditationen : Über die Liebe </h5>
<p> Wir sehen, unsere allgemeinen Vorstellungen  zur Partnerschaft in der Ehe sind stark kulturell und nur wenig psychogen geprägt. Das ist wenigstens dann der Fall, wenn wir eine falsche Wahl aus exogenen Bestimmungsgründen getroffen haben. Dabei darf eine der wesentlichen Ursachen für das sexuelle Feeling des Individuums nicht aus dem Blick geraten: In der pubertierenden Phase ihres Lebens erfahren Jugendliche häufig eine Prägung auf einen bestimmten Typus Frau bzw. Mann. In Gesellschaftsschichten, die ein höheres Bildungsniveau und eine moralische Verantwortung gegenüber ihren Kindern nicht nur besitzen, sondern auch praktizieren, wird  das Lebensglück der Kinder in der Pubertät in der Regel über einfühlsame und  liebevoll vermittelte Sexualerziehung  erfolgreich gesteuert. In diesem Milieu treffen wir zum intendierten pädagogischen Zweck auch heute sehr oft Ortegas Abhandlung<strong> über die Liebe</strong> an. Ein geschlechtspädagogisch wohl unerhört wertvoller Beitrag, der nach meiner Überzeugung in die Hand und den Kopf  jedes pubertierenden Jugendlichen gehört, wie wir diese Praxis  im oberen Drittel der Gesellschaft  noch immer als eine selbstverständliche Übung antreffen können.</p>
<p> Ortega liefert gewissermaßen einen erotischen Leitfaden mit psychosomatischem Aufklärungscharakter, der für Liebeserfahrung und Liebeswahl die Weichen zum Glück stellen kann. Denn mit Ortega erfährt der pubertierende Jugendliche die Differentia spezifica, den kernhaften Unterschied  der Sexualität   mittels  Aufspaltung in ein rein körperlich bezogenes Gefühl, <strong>den Geschlechtsinstinkt und die Geschlechtsliebe</strong> als ein emphatisch vermitteltes Gefühl der in Liebe zu einem ICH verschmelzenden Individuen. Es sind idealiter Geschlechtspartner, deren WIR-Gefühl faktisch in Art eines kollektiven ICHS empfunden wird: Ich bin du! Empirische Untersuchungen auf der Ebene der Zwillingsforschung haben gezeigt, daß diese Höhe des wechselseitig verwurzelten Liebesgefühls sozial indifferent in Erscheinung tritt und folglich offenbar eine Leistung des Unbewußten ist. Man kann Liebe in dieser kulturellen Vollkommenheit nicht wollen, man kann sie bloß fühlen und gefühlt wissen: Psychologische Evidenz. Eine stark kognitive Verschränkung mit der Emotionalität, etwa eine Art interindividuelle Liebesdialektik, wie wir sie z.B. bei so genannten verkopften Menschen häufig anzutreffen pflegen, findet wohl nie den Weg zur Einheit der Herzen, wie diese oben näher beschrieben worden ist. Ausschweifende Liebesdialoge lassen Gefühle zwar deskriptiv werden, zugleich aber töten sie diese auch durch Unterdrückung des hormonellen Getriebes, ohne dessen Motor die physiologische  Basalessenz aller Liebe versiegt.</p>
<h5 style="text-align: center;">Prägung der Liebesfähigkeit in der Pubertät </h5>
<p> Hierbei ist pädagogisch und für den individuellen personalen Charakter das Anwachsen des Bewusstseins im Jugendlichen von der Janusköpfigkeit der Sexualität prägend.  Die Fähigkeit, Liebe in sinnlich-übersinnlicher Weise erleben zu können erweist sich regelmäßig von hoher Bedeutung für das spätere Niveau der Persönlichkeit via Sozialität und Moralität.  Wer pubertierend immer bloß  Sex mit Ficken,  wer also Liebe  mit rein körperlichen Operationen gleichsetzt, der instrumentalisiert seinen Partner meistens autoerotisch und wundert sich darüber, wie brüchig auf dieser Ebene Liebesbande sein können. Ein guter Bock ist noch lange kein guter Liebhaber. </p>
<p> Junge Männer begreifen oft nicht das  eigentliche Motiv ihrer Partnerin, die häufig aus ihren Armen flieht, um sich einem anderen, manchmal einem älteren Partner anzuvertrauen. Frauen erleben Sexualität viel stärker in Verbindung mit „tieferen“ Gefühlen und einem stärkeren emotionalen Hintergrund als Männer. Sie sind in der Liebe auf der Ebene der Sexualität oft die besseren, die höher kultivierten Menschen, und  dennoch  können sie  gleichzeitig tierischer als ein Mann  ihre Triebe in Bewegung setzen. Ortegas Meditationen über die Liebe lassen auch diesen Aspekt nicht unbeachtet. </p>
<p> Wer aber aus dem Inbegriffs der Abhandlung Ortegas über die Liebe realisiert hat, auf welche Weise die richtige Liebeswahl zu seinem Glück führt, der vermag nicht nur selbst sein Glück in der Liebe zu schmieden, sondern in gleicher Weise auch  das Glückserleben des Partners zu bereichern: Empathie ist die  Methode. Sie ist also gewissermaßen die mehrspurige Autobahn Glück vermittelnder Gefühle, wobei Eros und Sexus sich abwechselnd  auf dem Weg zum Ziel überholen, zur Verschmelzung der Individuen durch Einheit ihrer Iche. Der Orgasmus ist nur die physiologische, die körperliche Fahne des Zieleinlaufs. Die Siegerehrung findet in den Herzen statt. Beides zu erreichen, so scheint es, ist individuell unterschiedlich verteilt. Eine wesentliche Rolle spielt die Prägung des jungen Menschen in der Pubertät. Es kommt also ganz darauf an, welch ein Mensch einer (geworden)  ist. </p>
<p>Die Frauenbewegung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat auf diesem Felde exorbitante Leistungen im Sinne von Freiheit und Menschenwürde erbracht, aber auch die Pforte für großes Leid von Kindern weit geöffnet. Wie es scheint, ist selbst die Liebe janusköpfig. </p>
<p>Mit <strong>Perspektivwechsel</strong> bezeichnen wir  unter dieser Prämisse unsere Fähigkeit, im Selbst-Fremd-Austausch eigene Erfahrung zu nutzen, um anderen Personen mentale und körperliche Zustände zuzuschreiben. Das ist für soziale Interaktion von Bedeutung: Denn etwa 70% unserer Kommunikation spielt sich im nonverbalen Bereich ab: Mimik, Gestik, Sprachmelodie und Blickverhalten.</p>
<p>Geradezu Unfug allerdings ist die besonders in bildungssprachlichen Schichten eingängig gewordene Praxis einiger besonders gebildet wirken wollender Leute, die gern von ihrer Amygdala statt von Gefühlen, von Spiegelneuronen statt von sozialen Beziehungen sprechen. Solche Schlagworte erklären aber gar nichts es sei denn, dass nichts verstanden wurde! </p>
<h5 style="text-align: center;">Kretschmers  Persönlichkeitstheorie und ihre Risiken </h5>
<p> Aus dem Aspekt von Empathie kommt uns <strong>der Psychologe Kretschmer</strong> in den Blick, der ehemals mittels Interpretation körperlicher Merkmale die Persönlichkeit  zutreffend zu beschreiben sich imstande sah. Diese Theorie und Methode hatte bekanntlich zur Zeit der nationalsozialistischen Ära Adolf  Hitlers bei  deutschen Strafgerichten Konjunktur („wie der schon aussieht, dem traut man ohne weiteres das und jenes zu“ usw.). Kretschmers Theorie wurde ganz nach Belieben oft von Staatsanwaltschaften und Gerichten missbraucht. Schnell war man dabei, in dem Phänotypus zahlreicher Juden Negativa als Gefahr für die bloß scheinbar  kultivierte Volksgemeinschaft zu erblicken. Das angeblich triebverseuchte Gesicht des hässlichen Juden wurde ins Bewusstsein des noch immer obrigkeitsgläubigen deutschen Volkes gezeichnet und niemand konnte sagen, dass er jemals einen Menschen dieses Phänotyps gesehen hatte!</p>
<p> Wenn sich heute die selbsternannten  Spätgeborenen  dieser Epoche  von alledem mit oft geheuchelten moralischen Ekel distanzieren, dann bleibt dennoch die Frage nach der eigenen Determiniertheit  einer Tendenz zum Verbrechen bei nachfolgenden Generationen als Möglichkeit auch künftiger Verbrechen dieser Art  unbeantwortet. Die Natur der Natur der faustischen Seele, um in <strong>Oswald Spenglers</strong> Jargon zu sprechen, hat  ihre basale Struktur  wahrscheinlich nicht durch sittlich emergente, also irreduzibel auf frühere Dispositionen zurückweichende  Allele kulturell erhöht. Wie sollte das auch möglich sein?</p>
<p> Die gefährliche, weil generell diskriminierende Methode vieler Richter im Tausendjährigen Reich brachte häufig unsägliches Unglück und schicksalhaftes Leid  für das Leben  des Delinquenten und seiner Familie. In der Gemeinde der Persönlichkeitspsychologen gilt <strong>Kretschmer </strong>einerseits als  begnadeter Interpret von Persönlichkeit vermittels der von ihm entwickelten Methode. Andererseits herrscht Übereinstimmung bezüglich der Anwendung: Nur eben der mit hoher Intuitionskraft begnadete Forscher, das psychologische bzw. psychoanalytische Naturtalent,  kann und darf vielleicht in angegebener Weise Menschen beurteilen. </p>
<p><strong>Ein Mangel an Empathiekompetenz bei Strafrichtern</strong><strong> </strong></p>
<p>Richter verfügen in aller Regel nicht über solche Qualitäten. Mit angegebenem historischen Beweis haben Richter einfach aus Kretschmers Methode eine normative Kraft des Faktischen (Phänotypus)  mit beispiellosem Unrecht in der Folge veranstaltet. Hätte bundesdeutsche Strafprozessordnung nicht in weiser Vorausahnung aller negativ möglichen <strong>Folgen der Conditio humana</strong> das Institut einer Berufung (Urteilsanfechtung) an Obergerichte (HRR)  geschaffen, wäre mancher arme Teufel das Opfer profilierungssüchtiger junger Staatsanwälte und unerfahrener bzw. inkompetenter Richterjunioren. Immerhin: In Deutschland benötigt der Kandidat fürs Richteramt ein Prädikatsexamen. </p>
<p><strong>Die über Kokettieren und  untaugliches Dilettieren unter dem Anschein von strenger Wissenschaft  hinausgehende Anwendung von Empathie etwa auch in der psychiatrischen Therapie erfordert die relevant begnadete Persönlichkeit. Im Blick stehen hier  die gewissermaßen  „übermenschlichen“  Psychologen, Psychoanalytiker, Psychiater,  es sind auch  Priester ebenso wie  Liebhaber im Vollbesitz aller die Liebe umgreifenden geistigen wie triebhaften Kräfte. Offenbar erfüllen diese Anforderung an eine moralische Persönlichkeit mit wissenschaftlicher Sophistikation bzw. Kompetenz bloß wenige Lichtgestalten einer Epoche! Mir scheint, Karl Jaspers war beispielsweise ein Mensch von diesem Schlage</strong>. </p>
<h5 style="text-align: center;">Manipulierbare Judikatur  </h5>
<p>Zahlreiche experimentelle Studien belegen das Faktum  psychologischer Einflussnahme und deren Wirkung  auf  richterliche Urteile. Zu den am besten nachgewiesenen Urteilsheuristiken zählt der so genannte <strong>Ankereffekt. </strong> Ist dieser vorhanden bedeutet das: Der Richter lehnt seine Entscheidung über Strafmaß oder Schadensersatz an die von der Staatsanwaltschaft vorgegebenen Forderungen an. Der Effekt konnte sogar bei Anwälten beobachtet werden, die in ihrem Plädoyer mit statistisch ermittelter und  festgestellter Dimension von der Forderung der Staatsanwaltschaft abweichen. Solche Anker wirken sich demgemäß auf kognitive Prozesse aus. Anerkannt valide und reliable Untersuchungen von Psychologen  haben gezeigt, dass die angegebene Einwirkung sowohl bei jungen und unerfahrenen wie ebenso bei „älteren, erfahrenen Hasen“ auf Richterseite feststellbar ist. </p>
<p>Verantwortungsbewusste Richterpersönlichkeiten unterziehen sich deshalb der Mühe einer gegenläufigen Strategie als Korrektiv<strong>: Considering the opposite</strong>.  Hierbei (Methode, das jeweilige Gegenteil in Erwägung ziehen)  generiert der Richter selbst Informationen (für sein Gehirn), die einem gegebenen Anker widersprechen, einen möglichen Suggestiveffekt neutralisieren können. Richter dieses guten Schlages der gesetzlich geforderten inneren und äußeren Unabhängigkeit sind sich immer dessen bewusst, dass richterliche Urteile menschlich sind und damit auch beeinflussbar. In der Römerzeit pflegten Ankläger wie Verteidiger nach ihren Plädoyers ihre Rede mit den beiden Worten zu beenden: Videant consules. Und die Adressaten waren immer alte, im Leben, in Liebe und Krieg, in Politik und Gesellschaft erfahrene weise Männer, die über das alles hinaus als unabhängig galten. Von welchem Richter kann man das heute bedenkenlos sagen?  Fehlurteile gab es auch in der Antike und wenn es sie gab, sieht man von statistisch auf Zufall beruhenden Ausnahmen wie Irrtum usw. ab, was bis heute zugestanden werden muß, dann erfolgten sie  absichtsvoll. Bewußt herbeigeführte Fehlurteile  allerdings sind den Archiven der Spiegelredaktion anzutreffen und folglich  auch bei uns gut bekannt. Sie harren der Stunde ihrer Offenbarung.</p>
<p> Persönlichkeitsmerkmale sowohl bei Richtern als auch bei Angeklagten spielen unabhängig von den sachbezogenen Fakten, Beweisen und  Überzeugungen eine Rolle bei der Urteilsfindung. Eine Sensibilisierung für diese meistens verdrängten Wirkmechanismen auf der Seite der Akteure bei der Justiz ist Aufgabe einer pädagogischen Lenkung durch  Politik und Gesetzgebung. Besonders problematisch erscheint jüngeren Studien zufolge eine private intersubjektive Beziehung zwischen  Akteuren auf der Seite des Gerichtes bzw. der Staatsanwaltschaft. Homoerotische Beziehungen (Schwulenpartnerschaften) zwischen beiden Sphären haben nicht selten Einwirkung auf die Objektivität der Urteilsfindung. Innerhalb der „Gilde“ werden derartige Tatsachen ungern an den Pranger gestellt, weil man den Vorwurf der Diskriminierung von Kollegen befürchtet. Die soziopsychologische Valenz dieses Phänomens allerdings scheint unter Bedenken einer Grauzone höchst beachtlich zu sein. Für den Bürger gilt wohl, wie es scheint, hier wie ebenso im Falle ernsthafter Erkrankung: An den fachlich kompetenten und moralisch integren Arzt/Richter zu geraten liegt sehr oft in Gottes Hand.</p>
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		<title>Bewusstsein und Emotionaler Kortex</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 21:18:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gkuehnle</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das reflexive Ich aus dem Aspekt von  Bewußtsein und Unbewußtem
Zum neuronalen Korrelat von Psyche und Geist  
Seit  Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach den neuronalen Korrelaten des Bewusstseins. Aktuelle intersubjektiv beachtete und anerkannte Studien zeigen, dass Bewusstsein auf synchron  feuernden Neuronenverbänden basiert. Diese Erkenntnis  macht die frühere Annahme obsolet, verschiedene abgegrenzte Hirnareale seien an bewusster Wahrnehmung beteiligt. Bewusste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5 style="text-align: center;">Das reflexive Ich aus dem Aspekt von  Bewußtsein und Unbewußtem</h5>
<h5 style="text-align: center;">Zum neuronalen Korrelat von Psyche und Geist  </h5>
<p>Seit  Jahrzehnten suchen Wissenschaftler nach den neuronalen Korrelaten des Bewusstseins. Aktuelle intersubjektiv beachtete und anerkannte Studien zeigen, dass Bewusstsein auf synchron  feuernden Neuronenverbänden basiert. Diese Erkenntnis  macht die frühere Annahme obsolet, verschiedene abgegrenzte Hirnareale seien an bewusster Wahrnehmung beteiligt. Bewusste Wahrnehmung des Subjekts von Aussen-und Innenweltrepräsentation im Gehirn ist keineswegs so spektakulär und bloß auf den Menschen beschränkt, wie sich eine allgemeine Einschätzung dieser Sphäre oft vernehmen lässt. <strong>Auch Tiere haben Bewusstsein! Ein Ich- bzw. Selbstbewusstsein scheint  allerdings sensu stricto auf den Homo sapiens sapiens begrenzt zu sei. Allerdings gibt es bis heute schlicht keine brauchbare Theorie des Bewußtseins, keine allgemeine Erklärung also, die uns sagt, welches System, ob lebendig oder künstlich, bewußte Empfindungen besitzt.</strong></p>
<h5 style="text-align: center;">Affektivität und Selbstkontrolle- Impuls vs. Vernunft </h5>
<p>Nach Auffassung anerkannter Neurowissenschaftler lassen sich bestimmte Hirnareale funktional grob den beiden Systemen der Handlungssteuerung zuordnen. Demnach ist das <strong>Entstehen  impulsiver Reaktionen bzw. Affektivität</strong> auf ein Zusammenspiel des limbischen Systems und dort vor allem der Amygdla mit dem mesolimbischen Belohnungssystem im Zentrum des Nucleus accumbens zurück zu führen.</p>
<p> Dagegen  beanspruchen <strong>reflektive Prozesse der Zielverfolgung</strong> den zentralen präfontalen Kortex, Ort des  Arbeitsgedächtnisses. Hier laufen kognitive Prozesse und affektive Signale zusammen. <strong>Offenbar entsteht demgemäß die Selbstkontrolle aus dem Wechselspiel des präfontalen Kortex mit dem anterioren zingulären Kortex  im Verbund mit der Handlungssteuerung im motorischen Kortex.</strong><strong> </strong></p>
<h5 style="text-align: center;">Wie funktioniert Gedanken lesen?</h5>
<p>Die biologischen Korrelate von Gedanken bestehen nicht in Änderungen des Blutflusses, sondern in Aktivitätszuständen komplexer neuronaler Netzwerke. Die in der Hirnforschung gern benutzte funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) misst nicht die Aktivität von Nervenzellen, sondern Änderung der Sauerstoffversorgung im Gehirn. Ein Problem für ein neuronales <strong>Interpretationskonstrukt z.B. zum Gedanken lesen </strong>liegt im Vorhandensein einer ungeheuer großen Zahl neuronaler Verknüpfungen. Forscher messen beim Neuroimaging Veränderung der Hirndurchblutung <strong>in Volumeneinheiten, so genannten Voxel</strong>. </p>
<p>Ist es überhaupt möglich, einen Gedanken eindeutig auf ein neuronales Korrelat abzubilden?  Bisher gibt es kein Modell, das es leistet, Gedanken lesen im Wortsinne zu produzieren bzw. Entsprechungen zwischen psychologisch (Gedanken) und biologisch definierten Entitäten (hirnorganische Areale)  zu definieren. Deshalb bleibt dieses Vermögen, einen Gedanken eindeutig auf ein neuronales Korrelat abzubilden, weiterhin was es ist: Ein phantastischer Wunsch quasi parawissenschaftlicher Träume von Forschern oder einfach: Sciencefiction.</p>
<p>Die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung, zur Selbsterkenntnis und das Ich-Bewußtsein, also die Fähigkeit, seine eigenen Wünsche und Motive zu erkennen, Absichten zu konstruieren und künftige Handlungen zu planen bzw. darauf reflektieren zu können, das alles ist nur bei Menschen  eine eben spezifisch menschliche Fähigkeit. Bewußtseinsforscher sind darin einig, dass Selbsterkenntnis jedenfalls auf Primaten beschränkt ist. </p>
<h5 style="text-align: center;">Modi des  kategorialen Unterschieds  von Mensch und Tier </h5>
<p>Beschränken wir uns zunächst bloß auf das Feld der Persönlichkeitspsychologie<strong>, </strong>dann kann schon an vier Merkmalen zur Beschreibung der Persönlichkeit gezeigt werden, dass der menschliche Verstand trotz der imposanten kognitiven Leistungen von Tieren einzigartig ist. <strong>Mit standardisierten Verfahren untersuchen Psychologen  Kreativität, Neukombination, symbolisches und abstraktes Denken</strong>.</p>
<p>Auch bei Tieren wurde graduell different zum Menschen ein Nachweis von beschriebenen Fähigkeiten entdeckt. Tiere besitzen aber nicht das Talent, neue geistige Wege zu beschreiten.</p>
<p><strong>Wolf Singer</strong>, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt hob in einer Diskussion zur Berechtigung von Tierversuchen in der Forschung ganz entschieden den kategorialen Unterschied zwischen Mensch und Tier hervor und nannte beispielhaft:</p>
<p> „<span style="color: #008000;"><strong>Die Fähigkeit, an Götter zu glauben und moralisch zu handeln. Der Mensch ist ein Kulturwesen. Bonobos bauen eben keine Kathedralen</strong></span>.“</p>
<p> Nach einer Mensch-Wert-Erörterung  richtete Singer scharfe Vorwürfe gegen die Argumente der Tierschutzphilosophie und warf dieser ein Argumentieren im luftleeren Raum vor:</p>
<p>“<span style="color: #008000;"><strong> Dass wir überhaupt ethische Überlegungen anstellen, dass wir unsere Toten begraben und Treueschwüre eingehen- genügt das nicht bereits zum Beweis des kategorialen Unterschiedes zwischen Tier und Mensch? Ich habe zumindest noch kein Tier erlebt, das einem anderen ewige Liebe schwor.“&#8230;..</strong></span></p>
<h5 style="text-align: center;">Subjektivität und Ich-Bewusstsein </h5>
<p>Singer hat sich mit diesen Beispielen  zur <strong>Differentia spezifica von Mensch und T</strong>i<strong>er</strong> indirekt, aber eindeutig auch zum Thema Subjektivität geäußert. Das psychologische ICH und die Person gehören aus dem Aspekt der Philosophie  gleichermaßen zum Thema. Der Unterschied zwischen Selbst und Ich beschreibt zugleich die Differenz zwischen  dem Tier, das über ein Selbst verfügt, und dem Menschen, der allein ein Sich-selbst-wissendes-Ich und damit Person ist. Die von Singer in den Blick genommene Moralität bestimmt deshalb auch den Personbegriff. Nur unter dieser Voraussetzung kann von Verantwortung  gesprochen werden, die wir einem Tier wohl nicht so schnell abverlangen werden. Genau diesen Aspekt greift <strong>Immanuel Kant</strong> auf, wenn er die begrifflichen Designate von Person beschreibt:</p>
<p> <strong>Person ist dann der Fall, wenn das handelnde Subjekt einer Zurechnung  fähig ist. Welchem Tier könnte man sein Verhalten im moralischen Sinne zurechnen? </strong></p>
<p>Die Autonomie der menschlichen Vernunft als höchstes geistiges Vermögen in Kants Sinne wird  aktuell von den Deterministen in den Neurowissenschaften insoweit  unter Hinweis auf spektakuläre  Ergebnisse der Hirnforschung bestritten, als Geist, Vernunft oder das ICH von der basalen Ebene des Gehirns  unabhängige, wenngleich mit dieser funktional verbundene Bezugsgrößen sind. Die Determinismusdebatte  bringt aber auch einen alten Topos der Philosophie wieder in den Blick, der als Interpretationskonstrukt gegen Determiniertheit  und für Freiheit bzw. Verantwortung mit dem <strong>Begriff von Emergenz</strong>  in logischer Konsequenz  widerspruchsfreie Argumente ins Feld führt.</p>
<h5 style="text-align: center;">Ist unser ICH empirisch zu verorten ? </h5>
<p>Das ICH als eine zentrale Figur der traditionellen Philosophie, den Statthalter der Subjektivitätstheorien, nahmen die empirisch arbeitenden Neurowissenschaften lange Zeit nicht besonders ernst. Und in der Tat: Das Wesen von subjektivem Erleben und ICH-Bewußtsein wird wohl kaum zum Objekt naturwissenschaftlicher Betrachtung taugen. In jüngerer Zeit emanzipierte unser ICH aber im Kontext  interdisziplinärer Forschung  beispielsweise im Falle überprüfter Nahtoderfahrung  zu einer respektablen  Bezugsgröße auch der empirischen Forschung.</p>
<p><strong>Die Reizung bestimmter Hirnareale wie z.B. des rechten Gyrus angularis können  ausserkörperliche Wahrnehmungen auslösen. Entsprechende Experimente haben gezeigt, dass unser ICH-Bewußtsein auf drei Aspekten beruht: ICH-Lokalisation (Wir erleben und als ICH im Körper als räumliche Einheit), ICH-Perspektive (wir sehen, hören und fühlen die Aussenwelt aus dem Innen des Körpers) und SELBST-Identifikation ( Wir erfahren unseren Körper als uns zugehörig). </strong></p>
<p>In den Medizin haben sich Verfahren der Tiefhirnstimulation (THS) bewährt. Mittels implantierter Elektroden werden Hirnareale gereizt, wobei einige neurologische Leiden gelindert werden können. So lässt sich die negative Stimmung depressiver Menschen aufhellen bzw. ganz beheben.  Eine Veränderung der Persönlichkeit ist möglich durch Veränderung von Gedanken und Gefühlen. Solche Prozeduren sind aus dem Aspekt einer Verbesserung der Lebensqualität ( z.B. bei Zwangsneurosen, Demenz und Depression) ehtisch sicher unbedenklich! Das sich hierbei allerdings zeigende Problem berührt das Ethos des Arztes, die ärztliche Standesethik dennoch nicht unerheblich. Die Frage lautet nämlich nicht, ob Tiefhirnstimulation geistige Funktionen verändert, sondern sie lautet: Wie werden solche Funktionen verändert und ist dieser Erfolg jeweils subjektiv wie sozial wünschenswert?<strong> </strong></p>
<p><strong>Die synthetische Einheit der Apperzeption: Das Ich denke, wie es Immanuel Kant</strong>  in der der Kritik der reinen Vernunft (KrV) auf den höchsten Punkt  einer Verstandesleistung hinauf trieb, wird von den deterministischen Fundamentalisten in der Hirnforschung nicht als eine Leistung in Kants Reich der Zwecke, der Freiheit, also als Metaphysik, sondern als eine basale Leistung unseres Gehirns in determinierter Interaktion mit verschiedenen Arealen vorgestellt. Demgemäß ist Kants freier Wille eine Illusion. Unser Gehirn bringe, so heißt es,  den Geist hervor. Folglich ist unser Denken und unser ICH eine determinierte, organisch gestützte Leistung, Ausdruck basaler Funktionen.</p>
<h5 style="text-align: center;">Dagegen steht die Position neuerer wissenschaftlicher Modelle aus dem Aspekt von EMERGENZ.</h5>
<p>Daß unser Gehirn auf bis jetzt unbekannte Weise den Geist hervorbringt, dieses <strong>Faktum der Conditio humana</strong> wird auch bei Annahme von Emergenz nicht in Frage gestellt. Bewusstes Denken aber ist, so scheint es,  mit psychologischer Evidenz eine emergente Eigenschaft. Damit ist der Ursprung dieser geistigen Leistung zwar nicht erklärt, sondern nur seine Realität bzw. sein Abstraktionsgrad anerkannt. Daraus folgt: Der Geist ist strukturell  eine in gewissem Grad unabhängige Eigenschaft des Gehirns und funktional zugleich völlig von seiner basalen Ebene, dem Gehirn abhängig. Man könnte diesen  Interaktionsmechanismus mit dem Funktionieren von Software und Hardware vergleichen. <strong>Das ICH-Bewußtsein entsteht also als emergente (</strong>neu und irreduzibel auftauchende<strong>) Eigenschaft des Gehirns auf einer anderen Organisationsebene.</strong></p>
<p><strong></strong> </p>
<h5 style="text-align: center;"> Peter Singers Mensch-Wert-Modell ein neuer Humanismus ?</h5>
<p>Ein anderer Singer, der in Princeton, USA, lehrende Moralphilosoph <strong>Peter Singer </strong>beschäftigt sich und die weltweit durch den millionenfachen Mord an Juden zur Zeit des Hitlerregimes sensibilisierte Öffentlichkeit mit spektakulären Thesen zum kategorialen Unterschied, indem er nicht oder noch nicht  vollsinnige Menschen (z.B. Kleinkinder)  mit Primaten vergleicht und nach dem je relativen Lebenswert fragt. Peter Singer ist Repräsentant einer  utilitaristischen Ethikposition. Für seine mit Verve vertretenen Sichtweisen erhielt er am 3. Juni 2011  in Frankfurt den Ethik-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung. Im Stiftungsbeirat sitz auch <strong>Wolf Singer.</strong><strong> </strong></p>
<p><strong> Unter der Fahne eines neuen Humanismus zeichnet die Stiftung  Peter Singers spektakuläres Eintreten für Tierrechte aus und hebt seine entsprechende Position in das Licht von allgemein verbindlicher Bedeutung. Sie gipfelt in dem Anspruch,</strong>  <strong>Affen Privilegien zu verleihen, die bisher nur Menschen besitzen: Das Recht auf Leben, auf Freiheit und das Verbot der Folter</strong>.<strong> </strong>Ob <strong>Wolf Singer</strong> seinem Namensvetter Peter dessen grundsätzliche Relativierung des Wertes menschlichen Lebens  nur als Tabubruch nachsehen und sich im übrigen kongenial zeigen wird? Die Gehirne schwachsinniger Menschen wären als Experimentierfeld für Hirnforschung nicht übel attraktiv!</p>
<h5 style="text-align: center;">Qualität des Verstandes von Jägerhirnen der Steinzeit</h5>
<p><strong>José Ortega y Gasset</strong> hat dem Jägerhirn des frühen Menschen auf dem Wege zur Kulturevolution nur wenig herausragenden Leistungen zuerkannt, die ihn vom Tier kategorial unterscheidbar machen. Eine Abstraktionsleistung sui generis, ein erster wirklicher Fortschritt geistiger Kreativität war nach Ortega das jagdstrategische Novum, mit dem der Mensch der Morgenröte ein anderes  Tier, den Hund, zwischen sich und das Beutetier setzte, um dessen Sinne zu nutzen und erfolgreicher Beute machen zu können. In unserer Phylogenese passt dieses Jagdhundschema aber erst in die Steinzeit. Archäologische Funde zeigen, dass ein deutlicher Sprung des Menschen, geistige Fähigkeiten zu entwickeln frühestens vor 800 000 Jahren einsetzte. Seitdem sind Höhlenmalereien und kultische Begräbnisstätten nachweisbar. Das vor etwa 200 000 Jahren beginnende Mittelpaläolithikum ist das Zeitalter des Neandertalers mit der Kulturstufe des Moustérien. Ebenfalls dem Neandertaler wird das Jungpaläolithikum vor etwa 40 000 Jahren zugerechnet. Seitdem ist eine neue Kulturstufe  mit Schmuckelementen übergehend zur Chatelperonnienkultur erkennbar. Fast zeitgleich erscheint im Bereich der heutigen Schwäbischen Alb die hoch entwickelte  Kulturstufe des Aurignacien mit filigranen Elfenbeinschnitzereien.</p>
<h5 style="text-align: center;">Emotionalität und das Unbewusste<strong> </strong></h5>
<p>Das jeweilige subjektive Erleben lässt sich teilweise mit Eigenarten bestimmter Hirnregionen in Zusammenhang bringen. Untersuchungen an Wachkomapatienten aber zeigen auch, dass uns die meisten Prozesse, die in den Köpfen anderer Menschen ablaufen, näher hin das subjektive Erleben verborgen bleibt.</p>
<p>Das Problem des Fremdpsychischen beschäftigt die Philosophie seit jeher! <strong>Ludwig Wittgenstein</strong> und  <strong>Martin Heidegger</strong> waren überzeugt, dass wir beurteilen können, ob andere Bewusstsein besitzen. Diese Annahme ist mit der Einschränkung, dass sich unser Gegenüber in einer kulturell akzeptierten Weise auszudrücken vermag, durchaus berechtigt. Dagegen gelingt es der modernen kognitiven Psychologie nicht, ein spezifisch menschliches Merkmal: <strong>die Subjektivität</strong>,  in den Blick zu bekommen.</p>
<p><strong>Zu den Bedingungen der Möglichkeit von Kultur:</strong></p>
<p>Das gesamte Denken und Handeln unserer Spezies gründet darauf, dass wir als Subjekte andere Subjekte, andere Menschen eben in dieser subjektiven Sphäre, wie diese gleich uns selbst die Welt erleben, erfahren. Ohne ein Selbstbewusstsein dieser Art gäbe es kein moralisches Empfinden, Ethik wäre nicht vorstellbar, weder moralische noch moralanaloge Handlungen wären in der Welt, weil wir dem Alte Ego gar nicht eine Gefühlsvalenz zusprechen könnten: zu fühlen wie wir selbst. Und genau diese im Menschlichen verortete universell gegebene Fähigkeit ist die Bedingung der Möglichkeit für eine Ethik, für ein Moralsystem überhaupt: Menschen handeln nur deshalb moralisch, weil sie davon ausgehen können, dass andere ebenso handeln.</p>
<p>Die gelegentlich vernehmbare Hypothese, wissenschaftliche Psychologie betrachte den Menschen auch als Subjekt ist ein Irrtum. Subjektivität als Wirklichkeitsfähigkeit ist nicht das Gegenteil von Objektivität, sondern vielmehr deren Voraussetzung. Dem entzieht sich der naturalistische Blick auf die Welt indem er behauptet: Alles, was existiert ist empirisch erklärbar.</p>
<p> Der empirische Input durch unsere Sinne auf dem Wege in bewusste Wahrnehmung  bildet keine Gegenstände in unserem Kopf ab, sondern erzeugt Phänomene, die unser Verstand interpretiert. Hier trifft die relevante Interpretation der aktuellen Hirnforschung auf die Interpretationskonstrukte der <strong>Kantschen Philosophie. Wolf Singer</strong> steht mir schon lange im Verdacht, nicht nur die Kritik der reinen Vernunft (KrV), sondern auch Kants Kritik der Urteilskraft (KdU)  gut zu kennen und gelegentlich den Versuch zu unternehmen, Kants Urteilssätze, Axiome und Kategorien neurowissenschaftlich zu überprüfen.</p>
<h5 style="text-align: center;">Zuflucht zu Immanuel Kant?</h5>
<p>Wer überhaupt begreift, dass und wie Urteilssätze a priori möglich sind, der versteht auch das inzwischen  von Neurowissenschaften, Neurobiologie und Neurophilosophie  hervorgebrachte Wissen über die Erkenntnis vermittelnden Funktionen unseres Gehirns. Die genannten empirischen Humanwissenschaften haben, so scheint es, den Naturalismus im Gewande der Evolutionären Erkenntnistheorie (EE) ad absurdum geführt. Mit Kant kann also behauptet werden: Die Gegenstände im Raum bestimmen nicht uns, sondern wir, unser Gehirn bestimmt die Objekte unserer Aussenwelt durch Interpretation. Um diese Variante unterschiedlicher Erkenntnistheorien angemessen verstehen zu können, müssen  dem Betrachter zwei zentrale Aussagen der Kantschen Erkenntnistheorie (in KrV  zu B 197 bzw. B 134) vor sein intellektuelles Auge geführt werden:<strong>Bewusstsein, operativer Verstand und das Denken</strong></p>
<p>Primaten und viele höhere Vertebraten verfügen wie der Mensch (zoologisch bloß ein Tier) über erstaunlich hohe Bewußtseinsqualitäten. <strong>Immanuel Kant</strong> bemerkt in seiner Anthropologie, dass der Mensch dem Tier den Verstand nur in qualitativer Höhe voraus hat, was ihn, den Menschen, allerdings keineswegs gegenüber dem Tier als einzigartiges Wesen auszeichne. Die Komplexität der Bilder und die uns mögliche durchgängige Identität ihrer Wahrnehmung (Apperzeption) enthält eine Zusammenschau von Vorstellungen (Synthesis).Sie ist nach Kants Überzeugung  <span style="color: #008000;"><strong>„nur durch das Bewusstsein dieser Synthesis möglich“ </strong></span>( KrV, B133).</p>
<p>Damit aber können wir noch gar nichts anfangen! Wir würden wie Blinde umhertappen und befänden uns in einem Zustande, den die moderne Psychiatrie bei einigen Individuen unserer Spezies noch immer vergeblich zu  beheben, wenigstens zu mildern sich bemüht. Erst unsere Fähigkeit zur Analytik (Kant: Die analytische Einheit der Apperzeption) macht es uns möglich, so etwas wie Denken zu produzieren, so ungenügend diese in der Psychologie gern mit Kognition bezeichnete Fähigkeit  in aller Regel auch sein mag. Die Kraft, die dieses Denken hervorbringt, ist unser Verstand.</p>
<p> Kant beschreibt den operativen Verstand so: Die Sinne vermitteln uns bloß Vorstellungen, Phänomene, wie sie auch dem Tier im Bewusstsein gegeben sind. Mit dem Input in unser Gehirn bearbeitet aber der Verstand zeitgleich diese Phänomene und ordnet sie zu einer Einheit. Hierhin gehört jetzt der <strong><span style="text-decoration: underline;">Subjektivitätsbegriff</span></strong>, der von uns ohne exakte Kenntnis seiner Konnotationen nicht angemessen verstanden werden kann. Ausführungen hierzu erfolgen an anderer Stelle.</p>
<p>Festhalten können wir hier mit Bezug auf die von uns erlebten ICH-Zustände   dieses Faktum empirischer Wissenschaft:</p>
<p><strong>Das körperliche ICH-Bewußtsein beruht auf drei Aspekten.</strong></p>
<p><strong>ICH-Lokalisation</strong></p>
<p><strong>ICH-Perspektive</strong></p>
<p><strong>Selbstidentifikation</strong></p>
<p>Die Reizung bestimmter Hirnareale, bei Gesunden wie bei kranken Menschen, beispielsweise des rechten Gyrus angularis  kann außerkörperliche Wahrnehmungen auslösen. Menschen haben dabei das Gefühl, sie verließen ihren Körper und könnten sich selbst von außen/oben sehen. Nahtoderfahrungen haben hierzu häufig  empirisch einen  Beweis geliefert.</p>
<p>Die geordnete Einheit der Wahrnehmungsphänomene bildet die Fähigkeit in ihrer höchsten Vollendung zur kognitiven Valenz des Subjektes aus: Ich denke.</p>
<p>„<span style="color: #008000;"><strong>Und so ist die synthetische Einheit der Apperzeption der höchste Punkt, an dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik (…) heften muß, ja, dieses Vermögen ist der Verstand selbst</strong>.</span>“ Kant)</p>
<p>Es scheint bisher unentschieden zu sein, ob man empirisch solche mentalen Prozesse in ihrem basalen  Korrelat (bestimmte bzw. bestimmbare Areale des Gehirns) beobachten, aufsuchen, verfolgen kann.</p>
<p><strong> Ein gesichertes Wissen der Hirnforschung aber sollte unsere Überlegungen begleiten:</strong><strong>Ohne Vernetzung von kortikalen und subkortikalen Hirnregionen entsteht kein zusammenhängendes Bewusstsein. Es basiert im Forschungsergebnis einiger zuverlässiger Studien auf dem im Gleichtakt synchronen Feuern weit verteilter Neuronenverbände.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h5 style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Doppeltes ICH-Bewußtsein- Gepaltenes ICH </span><strong><span style="color: #000000;"> </span></strong></h5>
<p>Zahlreiche Menschen leiden unter einer pathogenen Ich-Störung, der <strong>dissoziativen Identitätsstörung (DIS</strong>). Betroffene entwickeln dann zwei oder mehrere Identitätszustände, die abwechselnd die Kontrolle über Verhalten und das  Bewusstsein übernehmen. In jedem solcher Zustände erleben Patienten unterschiedliche Gefühlszustände, haben andere Stimmungen und Gedanken und nehmen sich selbst jeweils faktisch als eine andere Person wahr.<strong> DIS-Persönlichkeiten haben abgespaltene Ich- Zustände. Sie erleben sich als Ich nicht in mehreren Persönlichkeiten, sondern- im Gegenteil!- sie verfügen sensu stricto über weniger als eine ganze Persönlichkeit.</strong></p>
<p> Daß aber Denken immer auch hirnorganische Aktivitäten erzeugt, dieses Faktum bestreitet  niemand auf dem Felde ernstzunehmender Geisteswissenschaften. Ebenso unbestreitbar ist nach Lage der spektakulären Forschungsergebnisse in den Neurowissenschaften (Hirnforschung), dass unser Denken oft Richtung gebend aus der Sphäre des Unbewußten über neurobiologische Mechanismen gesteuert wird (vgl. aktuelle Debatte  Determinismus vs. Freiheit). Gleichzeitig  erscheint mir die Bedingung der Notwendigkeit einer Annahme von Subjektivität unbestreitbar zu sein, um eine Selbstinterpretation des Menschen überhaupt möglich werden zu lassen. <strong>Denn Liebe, wie sie vor allem von José Ortega y Gasset erkannt und begriffen worden ist, Lachen und Weinen, übersinnliche Wirklichkeit im religiösen Gefühl, ebenso kreative Leistungen von Kunst beispielsweise auf dem Gebiete von Musik, die Fähigkeit unseres Denkens, Ideen immer wieder neu  zu kombinieren, der Gebrauch mentaler Symbole, oder solche Fähigkeiten, die Kant mit Urteilskraft in den Blick nimmt: alle kulturellen Möglichkeiten genannter Art und noch vieles darüber hinaus kann mit einem rein naturwissenschaftlichen bzw. mit dem in den Neurowissenschaften  bevorzugten Theorienrahmen nicht erfasst werden</strong>.</p>
<p>Wie aber können wir begreifen, dass nach Kants Überzeugung unser Verstand  erst die Aussenwelt  dem Bewusstsein  zugängig macht und zugleich als Interpretationskonstrukt den so genannten aha-Effekt, also das Erkennen der Wirklichkeit von Welt gewährt. Kants entscheidender Satz hierzu lautet:</p>
<p><strong>„<span style="color: #008000;">Die Bedingungen  der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung, und haben darum objektive Gültigkeit in einem synthetischen Urteile a priori.“ (KrV, B 197)</span></strong></p>
<p><span style="color: #008000;"><strong> </strong></span></p>
<h5 style="text-align: center;">Der Schematismus des Verstandes</h5>
<p>Zur Erklärung des Wie der uns grundsätzlich möglichen Erkenntnis unserer Aussenwelt, der sozialen wie ökologischen, führt Kant den Schematismus des Verstandes ein, eine verborgene Kraft, wie er meint, die wir niemals wohl werden entbergen können. Na ja, Kant konnte ja vieles vorausahnen, „perhorizieren“, nicht aber schon die exorbitant produktiven Techniken der modernen Hirnforschung. Nicht schlecht, würde ein großer Denker wie er an der Determinierungsdebatte jüngerer Generation teilnehmen können. So aber erleben wir vorerst intellektuelle Grabenkämpfe, die durch Dummheit wohl eine lange Saison vor sich haben.</p>
<p><strong>Übrigens Dummheit?</strong> Kant wusste bereits, auf welche Weise  wir Heutigen die hochintelligente wie stark intellektuell argumentierende Elite der Wissenschaft wohl angemessen einzuschätzen haben, wenn es darum geht, hochgelehrte Fachwissenschaftler (Professoren ihres Fachs) in die Schranken ihres Basisdenkens zu lenken, bevor wir uns bereit finden können, jeden noch so intelligent formulierten Flatus animi, jede noch so bildreich ausgeschmückte Trivialität oder Absurdität  als Dokument von Tiefsinn bzw. reiner Wissenschaft zu akzeptieren. Trotzdem gilt: richtige Trivialitäten sind  immer besser als falsche Originalitäten!</p>
<p><strong>Nun führt Kant die Urteilskraft als ein Geistesvermögen zwischen Verstand und Vernunft ein</strong>:</p>
<p><strong>Die Urteilskraft ist die Fähigkeit, das Besondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken (KdU).Wenn der Verstand überhaupt als die Fähigkeit der Regeln erklärt wird, so ist die Urteilskraft die Fähigkeit, unter Regeln zu subsumieren, also zu unterscheiden. Urteilskraft aber ist ein besonderes Talent</strong> (KrV, B 171/172).</p>
<p>Kant erläutert, die Urteilskraft sei das Spezifische von dem, was wir mit <strong>Mutterwitz </strong>bezeichnen. Ihn kann keine Schule ersetzen. Man hat also die Urteilskraft qua Naturtalent und ist in dieser Verfassung z.B.  ein guter Arzt, Anwalt, Richter oder Wissenschaftler. Oder man hat dieses Talent nicht und bleibt auf seinem Berufsfeld meistens ein Stümper.</p>
<p><strong>„<span style="color: #008000;">Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen. Ein dumpfer oder eingeschränkter Kopf (…) ist durch Erlernen sehr wohl, sogar bis zur Gelehrsamkeit, auszurüsten.“</span> (KrV, B 173)</strong></p>
<p><strong>Kant bemerkt in diesem Zusammenhang, dass es auch auf der akademischen Ebene manchen Professor gibt, der in diesem Sinne ein Dummkopf ist :</strong><strong>„ <span style="color: #008000;">(…) so ist es nichts ungewöhnliches, sehr gelehrte Männer anzutreffen, die, im Gebrauche ihrer Wissenschaft, jenen nie zu bessernden Mangel häufig blicken lassen.“</span></strong><strong><span style="color: #008000;"> </span></strong></p>
<p>Irgendwie muß Kant nach <strong>Ernst Jüngers Konstrukt der Zeitsprünge</strong> einen Traum 200 Jahre voraus auf die Hirnforschung erlebt haben, oder wie sollen wir seine vorstehend erwähnten Worte sonst verstehen? Hochaktuell jedenfalls sind seine Feststellungen immerhin noch heute! Weisheit übrigens hielt Kant für ein Ideal, nicht aber für eine Charaktereigenschaft. Weisheit ist unerreichbar, aber als Leitbild wichtig: <strong>„<span style="color: #008000;"> Die Idee der höchsten Weisheit ist ein Regulativ in der Nachforschung der Natur“.</span></strong><strong><span style="color: #008000;"> </span></strong></p>
<p>Bei allen oft und gern zitierten Kanturteilen sollte den Leser und Kantverehrer einmal interessieren:</p>
<p><strong>Warum hat Immanuel Kant diesen enormen Geistesaufwand zum Verfassen der Kritik der reinen Vernunft betrieben?</strong></p>
<p>Kants zentrales Motiv blieb und bleibt wohl den meisten von uns im Dunkeln verborgen und dennoch ist alles so einfach zu begreifen, wenn man überhaupt versteht, wie Kants Denken strukturiert ist<strong>: Kant wollte Gott beweisen</strong>. Irritiert wird dann freilich der gläubige Christenmensch und Kantverehrer, wenn er im Opus Postumum liest: <strong><span style="color: #008000;">Gott ist eine Idee</span></strong>.</p>
<p>Na ja, wahrscheinlich-immerhin-befindet sich Kant damit heute im weltweit intersubjektivem Überzeugungsraum zur Vorstellung des Göttlichen im Menschen, näher hin im Gehirn des Menschen.  Hatte  <strong>Reinhard Brandt </strong>das alles übersehen, als er seine Abhandlung 2010 bei Meiner-Verlag herausbrachte: <strong>Immanuel Kant- Was bleibt</strong>?</p>
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		<title>Ego im AlterEgo: Differentia spezifica   Liebe,Sexualität, Erotik</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 13:43:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gkuehnle</dc:creator>
				<category><![CDATA[brain & mind interaction]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Ortegas  Abhandlungen: Über die Liebe 
 Im Lichte aktueller  Neurowissenschaften  und Psychologie
Neueres Wissen aus Hirnforschung, von den Neurowissenschaften überhaupt, von Hormonforschung und Persönlichkeitspsychologie lässt uns heute die  über lange Zeit undeutlich und verborgen verlaufenden Strategien einer Wechslwirkung zwischen dem emotionalen und &#8220;mentalen&#8221; Kortex bzw. dem  funktionalen Weg von Empathie bis hin zum sogenannten Gedanken lesen besser verstehen. Die  Spiegelneuronen scheinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Zu Ortegas  Abhandlungen: <em><span style="color: #008000;">Über die Liebe </span></em></h4>
<h4> Im Lichte aktueller  Neurowissenschaften  und Psychologie</h4>
<p>Neueres Wissen aus Hirnforschung, von den Neurowissenschaften überhaupt, von Hormonforschung und Persönlichkeitspsychologie lässt uns heute die  über lange Zeit undeutlich und verborgen verlaufenden Strategien einer Wechslwirkung zwischen dem emotionalen und &#8220;mentalen&#8221; Kortex bzw. dem  funktionalen Weg von <span style="text-decoration: underline;"><strong>Empathie</strong> </span>bis hin zum sogenannten Gedanken lesen besser verstehen. Die <span style="color: #888888;"> <span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #000000;"><strong>Spiegelneuronen</strong></span></span></span><span style="color: #000000;"> </span>scheinen  eine Schlüsselrolle bei alledem auf dem Weg zu einem Interpretationskonstrukt einzunehmen. Das eigene Ich in einem anderen Menschen diente  als  Spekulationsobjekt in den Intersubjektivitätstheorien  der Philosophie. <strong>Edmund Husserl</strong> entwickelte eine beeindruckende Theorie der Intersubjektivität  in den <em>Cartesianischen Meditationen</em>  bis zum <em>Transzendentalen EGO</em>.</p>
<p>Husserls Reduktionsmodell beeinflusste <strong>José Ortega y Gasset</strong> ebenso wie ähnliche, tief in das Unbewusste eindringende Sichtweisen und spekulative Bewertungen  zum Seelengrund nach dem Konzep seines Freundes <strong>Max Scheler. </strong>Ortegas Grundannahmen zeigen ein erstaunliches &#8220;Feeling&#8221; für die hier thematischen Anlagen der menschlichen Natur, für die  konkreten Aspekte der  <strong>Conditio humana</strong>, wie sie  als Objekte dieser Abhandlung in der Sicht stehen. Gewiß, Ortega konnte vor  fast hundert Jahren keine empirisch gesicherte klare Vorstellung von dem haben, was die Hirnforschung mit bildgebenden Verfahren und ähnlichen  Untersuchungsmethoden zur Determiniertheit des Menschen versus Freiheit später erforscht und erkannt hat. Es mag dem System der  <strong>Lebensphilosophie Ortegas</strong> verdankt sein, daß er mit philosophisch-anthropologischer Gewißheit  Grundannahmen zur Natur der Natur des Menschen darbot als hätte er soeben an dem interdisziplinären Kongress von Philosophie, Psychologie, Naturwissenschaften und Rechtswissenschaft jüngst in Bielefeld teilgenommen. An Ortegas Abhandlung <em><strong>Über die Liebe</strong>  von 1933</em> soll beispielhaft gezeigt werden<em>, </em>welche wissenschaftlich exakte Aktualität  seine Axiome und Urteilssätze von damals im Lichte des heutigen Forschungswissens besitzen.</p>
<h4 style="text-align: center;">Determiniertheit der Liebeswahl  ist Ausdruck unseres verborgenen Charakters</h4>
<p style="text-align: left;">Wie <strong>Max Scheler</strong> unterscheidet <strong>José Ortega y Gasse</strong>t den <strong>Geschlechtsinstinkt</strong> des Menschen, der gleichermaßen  auch dem Tier eigen ist, von der <strong>Geschlechtsliebe</strong>,  eine die Erotik und gesamte Sexualität des &#8220;normalen&#8221; Menschen bestimmende, kulturell angeeigneteVitalkraft.  Diese kulturelle Form  der Sexualität ist Gegenstand der zentralen Betrachtung  Ortegas zum  Thema Liebe, Liebeswahl  und Erleben von Liebe. Der Höhepunkt sexueller Erfahrung im Erleben der Geschlechtsliebe, wie Ortega sie begreift, beruht auf dem Bewußtsein der Partner von  absoluter wechselseitiger Durchdringung. Auf dem Niveau des kultivierten Menschen erleben sich die Akteure in Hingabe zur Selbstaufgabe mittels  <strong>Einsfühlung </strong>, wie Max Scheler diese von Ortega erkannte Tendenz zur Verschmelzung treffend bezeichnet hat.   Die Liebenden fühlen, daß sie sich aus ihrer Egozentrik  lösen und  ihre Iche  ineinander verschmelzen, im Patner aufgehen, eine psychische Identität bilden. <strong>&#8221; <span style="color: #008000;">Der Zauber der Liebe beruht zum Teil auf ihrer poetischen Begabung: sie füllt die Welt ringsum mit Regenbogenglanz und schmückt sie mit Stickereien. Auf dem Gipfel des Liebesgeschehens gibt es Verklärungen wie auf dem Berge Tabor.&#8221; </span></strong></p>
<p style="text-align: left;">Das Gegenteil ist der animalisch operative Geschlechtsinstinkt, der vor allem autoerotische Züge trägt: Die Partner erleben ihre Sexualität im Instrumentalisieren eines anderen Körpers. Praktisch nimmt eine Sexualisierung des Lebens auf solche Art oft sportliche Züge an. Die Pluralität des im Orgasmus erlebten rauschartigen Kicks  entscheidet über den jeweiligen Liebeserfolg. Sexualität auf dieser Stufe ergreift wohl selten den Kern der Persönlichkeit und bedeutet gleichsam  wegen der Zentrierung auf den physiologisch-hormonellen Prozeß bloß körperliche  Bedürfnisbefriedigung, einen nur hömostatischen Effekt gleich dem Regulativ von Essen und Trinken. Deshalb reagieren Menschen mit dieser Sexualpraxis in der Wahrnehmung spezifischer Geschlechtsreize auch ähnlich wie der Hund auf die Wurst. Ortega  bemüht sich angesichts der Instinkt-Kultur-Verschränkung im Menschen vor der Annahme zu warnen, Instinkte des Menschen seien quasi tierhomolog in der Welt: &#8220;<span style="color: #008000;"><strong> Gewiß erscheinen die Instinkte im Menschen fast immer an überinstinktive Regungen seelischer, ja geistiger Art gebunden.</strong>&#8221; <span style="color: #000000;">Umgekehrt gibt es keine Liebe ohne Geschlechtsinstinkt!</span></span></p>
<p style="text-align: left;">Ortega erweist sich in der Definition und Wahrnehmung des Phänomens Liebe in der Gestalt von Sexualität als aufgeklärter Evolutionstheoretiher im Sinne von Darwin. Wir sind nach Ortegas Sichtweise bei der Liebeswahl nicht frei, wir haben keinen freien Willen, sondern aufgrund unserer Anlagen offenbart  bzw. repräsentiert der Grundcharakter der Person das wahre Wesen unseres Seelengrundes. An dem von einem Mann  bevorzugt gewählten weiblichen Typus kann man das Niveau seines Herzens ablesen, weil die Liebe auf die tiefesten Schichten der Person gerichtet ist. Sie offenbart also unsere verborgene Art. Bei alledem ist unser Wille nicht frei, in der Liebeswahl so oder anders zu entscheiden: Wir entscheiden automatisch und automatisch richtig oder falsch. Wir sind nicht Schöpfer unserer Akte, sondern nur Lenker emotionaler Impulse, die in uns aus dem Unbewußten aufsteigen und unsere Liebeswahl determinieren. Unbewußt, aber zielsicher entscheiden wir uns bei der Liebeswahl für eine ganz bestimmte Ausprägung des Menschlichen. Am Phänotypus unseres Wahlpartners ist der Kern unserer eigenen Person, aus der die  Motive aufsteigen, ablesbar.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Wir können wissen, ob wir die richtige oder vielleicht eine falsche Wahl getroffen haben und wir können insoweit einen Selbsttest vornehmen. </strong>Der in seiner Liebeswahl unbeirrbar Liebende erträgt alle Laster, Leiden und Gebrechen seines Partners als handele es sich um seine eigenen Fehler und Schwächen. Die echte Liebe in der Qualität Geschlechtsliebe drängt, anders als die animalische Sexualität (Geschlechtsinstinkt), auf Ausschließlichkeit  und Universalität des Liebesgefühls. In dieser Verfassung echter Liebe zeichnen sich  Männer wie ebenso Frauen  durch eine Unempfänglichkeit für  Geschlechtsreize einer anderen Frau/Mann aus.Ist jemand, umgekehrt (!), Objekt einer solchen idealiter entflammten Liebe, die er nicht selbst empfindet, die ihn ziemlich kalt lässt, gerät er zur &#8220;<span style="color: #008000;"><strong>Verzweiflung durch ihre unerträgliche Monotonie.&#8221;</strong>  <span style="color: #000000;">Die falsche Liebe verrät sich alsbald durch das dumpfe Gefühl des Widerstandes gegen  unangenehm empfundene  Eigenschaften des/der geliebtenPartners/Partnerin. Hier zeigt sich das Faktum eines häufig vorkommenden Wahlirrtums, der darin besteht, dass als Liebe gefühlt wurde, was vielleicht gesteigerte Sympathie oder Bewunderung ist, mit Liebe aber nichts zu tun hat.</span></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Ortega bemerkt, der normale Mann liebe mehrere Male im Leben und wähle zwar immer eine andere Frau, im Kern aber immer denselben weiblichen Typus. Als Grund hierfür beruft Ortega verschiedene, in der Regel zwei oder drei Umwandlungen, die eine Persönlichkeit im Leben erfährt. Ebenso oft, so scheint es, sehnt sich der Mann nach Variation des Geschlechtspartners. Sein Ich ist nicht mehr mit dem der ersten Liebeswahl identisch. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Ich vermisse an dieser Stelle einen unabdingbaren  Hinweis Ortegas auf  die durch längerzeitige wahre Liebesform regelmäßig gebildete Kopula der Herzen, die  im Wir-Gefühl sich zeigt. Das emotionale und kernhafte Auseinanderdriften der in Liebe verbundenen Persönlichkeiten ist ja nur dann Lebenswirklichkeit, wenn sich beide zuvor nicht aufeinander zu bewegt, miteinander gleichförmig weiter entwickelt haben usw. Ihre Verbindung vollzog sich individualistisch-gegenläufig und entfernte sich von dem Band zuvor gefühlter Einheit zur Tendenz egoistischer Vielheit, &#8220;Diversifikation&#8221;. Für die Geschlechtsliebe gilt demgemäß und  offenbar nicht dasselbe Vorstellen in Raum und Zeit, das für den Geschlechtsinstinkt gilt: So etwas wie Brunftzeit mit entsprechenden  Promisquitätsphasen. Das SiebenJahre-Modell der sinnlich-schönen</span><span style="color: #000000;">CSU-Politikerin aus Fürth in Bayern  hat offenbar Sexualität nur aus dem Aspekt von Trieberfüllung und Triebstärke in den Blick genommen, aber das, was wir regelmäßig in anderem Kontext mit der Bezugsgröße Menschenwürde in den Blick nehmen, unbeachtet gelassen. Dazu gehört eben die in Kants Sinne für Vernunftqualität maßgebliche Überzeitlichkeit. Daß die sexuelle Triebsphäre allen Liebesakten überhaupt immanent ist, daran darf auch mit Ortega kein Zweifel bestehen.</span></p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<h4 style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Vier weibliche Grundtypen der sexuellen Instinktsphäre</span></h4>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Vertreterinnen des rein sinnlichen Schlages überwiegend Trieb geleiteter Sexualität, die sich für den so genannten Frauentyp Mann, den schönen Mann sexugeneris, begeistern, sind nach Ortegas Wahrnehmung <strong>vier Frauentypen : Frauen mit stärker viriler Seele, Frauen, die in ihrer Entwicklung von Anfang an ein schrankenloses sexuelles Leben geführt haben, normale Frauen, die ein voll befriedigtes und intensives  sexuelles Leben hinter sich haben</strong> ( weil die Frau sowieso Spätzünder im Reich der Selbständigkeit  ihrer  Sinne zu sein pflegt) und schließlich  jene, die dank ihrer psychophysischen Konstitution als die <strong>Grandes Amoureuses</strong> zur Welt kommen. Die Männlichkeit der Frau sei, so Ortega, ein besonders attraktives Thema. Denn die Wollust, die bei der normalen Frau mangels kümmerlicher Phantasie wenig ausgeprägt zu sein pflegt, beherrscht den Mann oft in der Totalität seiner Persönlichkeit dank hochentwickelter Phantasie.  Würde die Frau über eine vergleichbare Imaginationskraft verfügen, &#8220;<strong> </strong><span style="color: #008000;"><strong>so hätte die Wollust längst den Planeten überflutet, und die Menschheit wäre verschwunden, in Wonne vergehen</strong>d.&#8221; <span style="color: #000000;">Die meisten Frauen aber sind im Ausdruck einer Norm bei der Liebeswahl  nicht den vorstehend bezeichneten vier Typen zuzurechnen. Sie interessieren sich nicht für den besonders schönen Mann. Es sind nicht die Frauen, die sich in den männlichen Körper hypersexuell motiviert allein verlieben. Es ist die Weiblichkeit vom natürlich guten Schlage, die Frau, bei der die Sexualität als Geschlechtsliebe  eine enge Kopplung von sexueller Lust einerseits und Herzensneigung, Zärtlichkeit andererseits </span></span></span> bildet. <strong>Es ist jener weibliche Typus, den Goethe im Faust meint, wenn er sagt: Das ewig Weibliche zieht uns hinauf.</strong></p>
<h4 style="text-align: center;"> </h4>
<h4 style="text-align: center;"><span style="color: #000000;">Liebe bevorzugt  die Herrschaft des Mittelmäßigen</span></h4>
<h5 style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Besonders erfolgreiche Männer, gesellschaftliche Eliten, Genies sind nicht jene erotischen Gestalten, die eine Frau bevorzugt und liebt.  Vielmehr verläuft der Prozeß, den Darwin im Tierreich mit Zuchtwahl in den Blick nimmt, auf kulturellem Feld als Liebeswahl, stellt Ortega fest. Der reiche Mann ist für die Frau ausgezeichnet, aber sie liebt ihn nicht als reichen Mann. Ebensowenig liebt die Frau geistvolle Männer. Sie trifft sich gern mit ihnen zum Dinner, zur Initimität wählt sie einen anderen: <span style="color: #008000;">Die Frau hat sich niemals für geniale Männer begeistert.</span></span></h5>
<h5 style="text-align: left;"><span style="color: #000000;">Was folgt daraus, fragt Ortega erstaunt? <span style="color: #008000;">&#8220;Das bedeutet vom Standpunkt der menschlichen Selektion, daß die Frau mit Ihrer Gefühlswahl  nicht an der Vervollkommnung der Speziens mitarbeitet. (&#8230;) Wer weiß, ob diese Abneigung der Frau gegen das Beste nicht letzten Ende heilsam ist?&#8221;  <span style="color: #000000;">Mehr als eine Spekulation kann auch Ortega in seiner Schlußbetrachtung zum Thema</span> über die Liebe <span style="color: #000000;">nicht anbieten</span>:</span></span></h5>
<h5 style="text-align: left;"><span style="color: #000000;"><span style="color: #008000;">&#8220;&#8230; die allgemeine Tendenz der weiblichen Liebeswahl geht darauf aus, die Gattung innerhalb mittlerer Grenzen zu halten, eine Selektion im Sinne der Besten zu vermeiden und dafür zu sorgen, daß der Mensch niemals  aufsteigt zum Übermenschen oder zum Luzifer .&#8221;</span></span> </h5>
<h5> </h5>
<h4 style="text-align: center;">Partnersuche  zwischen Neutronenfeuer, Hormonsteuerung und romantischer Liebeswahl</h4>
<p style="text-align: left;">Mit  dem <strong> Hypothalamus-Hypophysenvorderlappen-Regelkreis</strong> und dessen  allgemeiner  Hormone steuernden  Funktion verband  José Ortega y Gasset aus dem Aspekt von Wissenschaft sicher keine Vorstellung. Er argumentierte aber in seinen Abhandlungen über die Liebe mit Sichtweisen, die von der Hirnforschung empirisch erst lange Zeit nach Ortegas Tod in den Blick genommen wurden. Ortega perhorrizierte auf diese Weise mit erstaunlich sicherer Intuition philosophisch-anthropologisch basale Elemente der Conditio humana, die mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihm von den Neurowissenschaften als Großtaten einer Dechiffrierung der Natur der Natur des Menschen gefeiert werden. Die Berechtigung,  dieses Urteil angemessen einschätzen zu können setzt,so scheint es,  zum besseren Verständnis der Materie, zum Begreifen  der relevanten Sphären des Gehirns, die im angegebenen Kontext sozusagen die Schauplätze der Akteure des operativen Vollzuges sind, ein Grundverständnis der organisch-basalen Bedingungen der Möglichkeit von <span style="color: #000000;"><strong><span style="text-decoration: underline;">Bewußtsein, Selbstbewußtsein</span></strong> <strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong></span><strong><span style="text-decoration: underline;">und Unbewußten</span></strong>  notwendig voraus. So sind inzwischen Interaktionsmechanismen zwischen Neokortex und  dem limbischen System, dem  Ort von Emotionalität  und dem phylogenetischen Erfahrungsspeicher als  Steuerungselemente   von der  aktuellen Hirnforschung als überkontingent wirksam nachgewiesen. Sie führten bekanntlich jüngst zu dem Determinismusstreit zwischen Neurowissenschaften einerseits  und Philosophie bzw. Teilen der Geisteswissenschaften und der Rechtswissenschaft (Das Problem der Schuld) andererseits.</p>
<h4 style="text-align: center;">Aus dem Aspekt von Emergenz:</h4>
<h4 style="text-align: center;">Wir sind determiniert und trotzdem frei </h4>
<p style="text-align: left;">Mit den spektakulär erscheinenden  jüngsten  Forschungsergebnissen aus der Neurowissenschaft wurden die von Philosophie und Psychologie, vor allem von Kants Epigonen über Jahrhunderte mit intellektullem Engagement ebenso wie mit Verve vertretenen  Paradigmata Freiheit und die Schuldfähigkeit der Person in Frage gestellt. Zum Detail siehe Kategorie <strong><span style="text-decoration: underline;">Politik/Gesellschaft</span></strong> auf unserer Website. Die Psychologie leistete zum Beispiel mit dem bekannten <strong>Libetexperiment</strong>, das  inzwischen mehrfach von anderen Forschern mit demselben Ergebnis wiederholt wurde, einen Beitrag zum Zweifel an unserem bisherigen Selbstverständnis, zur unerschütterlich erscheinenden Selbstauslegung des durch Vernunft und folglich Autonomie bzw. Freiheit bestimmten Menschen.</p>
<p style="text-align: left;">Sind wir also Marionetten tieferer, älterer Schichten unseres Gehirns und liegt die Vernunft doch bloß nur wie Firnis über den Trieben? Moralität und Sozialität konnten Menschen nur, so scheint es, unter der Voraussetzung leisten, daß wir nicht bloß unseren Trieben gegenüber stehen, sie also im Zaume halten können, wenn wir das nur wollen, sondern wir haben uns auch durch unsere Freiheit, durch Autonomie unserer Vernunft von den Trieben unabhängig betrachtet. Diese von Kant als Basis der Menschenwürde verortete Fähigkeit haben wir  als kategorialen Unterschied den Tieren voraus, die uns auf der Ebene des Verstandes nur graduell unterlegen sind wie Kant richtig annimmt.  <strong>Mit Determiniertheit ist also auch Moralität generell in Frage gestellt: Denn nur unter der universell gegebenen Bedingung der Möglichkeit von Freiheit im Sinne von Selbstbestimmung des Menschen (Autonomie) bin ich bereit und verpflichtet, mich moralisch und sozial zu verhalten, weil ich Moralverhalten  aufgrund  ihrer Autonomie auch von allen anderen Menschen verlangen kann</strong>. Wir haben also nach diesem Menschenbild gesamtgesellschaftlich eine wechselseitige Verantwortung füreinander und für die Existenz einer kulturell geprägten Gesellschaft.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Sexuelle Determinierung  einer Triebverschränkung  zwischen Freiheit und Instinkt </strong></p>
<p style="text-align: left;"> Die durch Hirnforschung nun neu etablierte  starke Position  der Annahme, der Mensch sei grundsätzlich im Denken und Handeln determiniert,  rüttelt an den Grundfesten unserer Kultur bzw. unserer westlichen Gesellschaft. Wir werden sehen, was die so akademisch erscheinende Diskussion mit der Lebensweltlichkeit, mit dem praktischen Leben auf dem Feld der Liebe zu tun hat, wie José Ortega y Gasset diese, verteilt über funktionale Auffächerung der Sexualität  in den Blick nimmt. Sexualität als Geschlechtsliebe ist in Ortegas Sinn mit Verschmelzung der Individuen und folglich auch mit dem Aspekt von Treue verbunden. Folge ich bloß dem tierischen Geschlechtsinstinkt, dann ist der Akt nichts anderes als ein Instrumentalisieren des Partners zur eigenen Triebentladung. Bin ich aber auf einer kulturell geprägten Stufe meiner Sexualität in der Lage, mittels Empathie mit meinem Parner idealiter zu verschmelzen, dann ist für Determiniertheit weder Raum noch Erklärungsbedarf. Nicht jeder Mensch ist in der Lage, Liebe und Leidenschaft, Lust und Trieberfüllung auf der beschriebenen Höhe  mit emphatischem Impetus auf der Suche nach seinem Ich im Alter Ego, bewußt oder, wie Ortega dies annimmt, unbewußt zu erfahren. Ein soziales Wir-Gefühl ist etwas ganz anderes als das Wir-Gefühl der Liebenden im Gleichtakt ihrer Herzen und mentalen Prozesse.</p>
<p style="text-align: left;">Ortega y Gasset  betrachtet die Verschränkung von Vernunft und Instinkt, die uns als Kulturwesen kennzeichnende Natur-Kultur-Verschränkung, im Lichte von Kants Zwei-Welten-Theorie : <span style="color: #008000;"><strong><span style="color: #000000;">Uns  bewegt generell  </span>&#8220;ein irrationales Leben, das in unser Bewußtsein mündet und der verborgenen Höhle, dem unsichtbaren Grunde, entstammt, der wir eigentlich sind. (&#8230;) Denn wir besitzen wohl Vernunft und Freiheit; aber beide Vermögen bilden nur eine dünne Haut über dem Volumen unseres Wesens, dessen Inneres weder vernünftig noch frei ist.&#8221; </strong><span style="color: #000000;">Sogar die Ideen, so mein Ortega, entstammen diesem Urgrund unserer Natur. </span></span></p>
<p style="text-align: left;"> Die Sexualität hat viele Gesichter, sie ist eine facettenreiche Lebenskraft, die mit Liebe gepaart sein kann, oft aber auch rein triebgeleitet auf die Physis des Anderen ausgerichtet ist. Jugend und Alter, Pubertät und Reife spielen eine Rolle im ewigen Spiel des Eros. Schließlich sind wir freilich in einem beträchtlichen Teil unserer Persönlichkeit auch sexuell determiniert, wenn wir unsere Natur in den Blick nehmen. Wir können diese aber auch unabhängig erfahren in der Verschränkung zwischen Geist und Natur. Die Modi und das Erleben von Sexualität kennzeichnet also unsere Vitalpersönlichkeit und ist immer auch Ausdruck davon, welch ein Mensch einer ist.</p>
<h4 style="text-align: center;"> Determiniertheit  im Lichte von Emergenz</h4>
<p style="text-align: left;"><strong>Was bedeutet Emergenz?</strong> Sie bezeichnet irreduzible, neue auftretende, unerwartet erscheinende Strukturen. Die höheren Seinsstufen zeigen unzurückführbar (irreduzibel) neu auftauchende, aus vorhandenen Strukturen  hervortretende Qualitäten. Emergenz ist die Hauptthese der <strong>dialektischen Naturphilosophie z.B. bei Hegel</strong>, <strong>Schelling </strong>und anderen Philosophen. In der Morgenröte  der Evolutionären Erkenntnistheorie (EE) versuchte <strong>Konrad Lorenz</strong> den Begriff Emergenz durch eigene Wortschöpfung zu umgehen, um zu erklären, wie der Geist in die Welt kam. Er wählte die Formulierung <strong>Fulguration</strong>. Diese Vorstellung von Lorenz ist intersubjektiv nicht übernommen worden und erscheint aus heutiger Sicht obsolet. Sie wird aber hier wegen der gelungenen, ausdrucksstarken  Metapher erwähnt, um zu zeigen, wie hilflos mancher Denker bei dem Versuch war, das Unerklärbare zu erklären, ein <strong>Missing Link</strong> zu denken, wo es derartiges nicht  gibt. Die Vorstellung von Emergenz allerdings setzt sich, wie es scheint, aktuell allmählich gegen das Diktat der Hirnforschung mit dem Paradigma Determiniertheit durch ( Michael Gazzaniga) und könnte  <strong>die Sphäre von Freiheit und Verantwortlichkeit</strong>  dem Determnismus abringen.</p>
<p style="text-align: left;">Die Forschungsergebnisse der Hirnforschung haben zu Recht Konjunktur und niemand sollte diesem neuen Wissen, das unserer Selbstauslegung einen exorbitanten Vorschub leistet,  die anthropologische Relevanz absprechen. <strong>Vielleicht gelingt es diesem Zweig der Humanwissenschaft in Kürze,  nach Art eines Selbstkorrektivs über das basale Objekt des Interesses hinauszublicken und in den Blick zu nehmen, was zwischen Gehirnen passiert! Denn Freiheit und Verantwortung bzw. Verantwortlichkeit finden sich im Raum zwischen den Gehirnen, in den Wechselwirkungen der Menschen untereinander: Wie wäre Kulturevolution denn sonst zu verstehen?  Robert Laughlin,  Nobelpreisträger Physik 1998 hat auf das Interpretationskonstrukt Emergenz schon früh hingewiesen und die Selbstorganisation der Natur erneut in den Blick gebracht:</strong></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #008000;"><em><strong>Was wir hier sehen, ist eine neue Weltsicht, bei der das Ziel, die Natur durch Zerlegung in immer kleinere Teile verstehen zu wollen, durch das Ziel ersetzt wird, verstehen zu wollen, wie die Natur sich selbst organisiert</strong>.</em></span> </p>
<p style="text-align: left;"><strong>José Ortega y Gasset</strong>  nimmt ausdrücklich Bezug auf seinen Freund <strong>Max Scheler</strong>, der Sexualität im Lichte ihrer Janusköpfigkeit als Geschlechtsliebe und Geschlechtsinstinkt wahrnimmt. Auf diese Weise wird die tierische Triebhaftigkeit des Menschen von der höherstufigen kulturellen Liebesform getrennt, ohne die grundsätzliche Wechselwirkung beider Sphären im Menschen in Frage zu stellen. Scheler galt in der Philosophie des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts als hoch beachtetes und intersubjektiv anerkanntes Multitalent auf sowohl empirischen wie theoretischen Feld. Er vertrat mit Lehrstuhl in Köln  Psychologie, agierte als viel beachteter Journalist , lehrte  Philosophie  und fungierte als  politischer Begleiter von <strong>Konrad Adenauer</strong> zu einer Zeit, als dieser in der Rolle des Oberbürgermeisters von  Köln  den frühen Nazis das Leben schwer machte. Scheler galt als Frauentyp und Intimkenner der weiblichen Seele. Er ließ sich nicht selten als  begehrter Liebhaber in manche Kammer entführen und betrieb das Geschäft zwischen Erotik und Sexualität so ungemein engagiert, daß die Kölner Universität ihn nach mehreren erfolglosen Abmahnungen, seine Triebe im Zaume zu halten, kurzerhand hinauswarf.</p>
<p style="text-align: left;">Ebenso wie Max Schelers amoureuse Abenteuer fand seine philosophische Leistung  exorbitante Beachtung.  Aufsehen in den Geisteswissenschaften erregte  <strong>Schelers Anthropologie: Die Stellung des Menschen im Kosmos</strong>, die 1928 gleichzeitig mit jener von <strong>Helmuth Plessner: Die Stufem des Organischen und der Mensch</strong> in den Buchhandlungen präsentiert wurde. Konrad Adenauer holte Scheler, der sich inzwischen zu einer süddeutschen Universität  &#8220;verkrümelt&#8221; hatte wegen dessen herausragender  Bedeutung für die Gesellschaft überhaupt und für seinen auch in der akademischen Philosophie unbestrittenen Ruf als Denker nach Köln zurück.</p>
<p style="text-align: left;">Ortega fühlte sich, wie er selbst bekundete,  mit Max Scheler  freundschaftlich und congenial verbunden. Er war ihm als Freund und mit seiner Philosophie, menschlich und geistig, weitaus näher,  als das bisher bekannt und erkannt wurde<strong>. Dieser hier erfolgte Vorspann zu Scheler erscheint mir notwendig, um Ortegas Abhandlungen über die Liebe zu verstehen. Denn Schelers entsprechende Ausführungen zur Liebe bzw. Erotik und Sexualität überhaupt, dargeboten in seinem Werk: Wesen und Formen der Sympathie ( Bd. 7, München  1912) ziehen sich wie ein Roter Leitfaden teils als Korrektiv, teils als Orientierungsrahmen, so scheint es, durch die thematisch entsprechenden Abhandlungen über die Liebe bei Ortega.</strong> Und tatsächlich erklärt Ortega in diesem OEuvre auch, daß außer Scheler niemand die essentiellen Unterschiede von  Geschlechtsinstinkt und Geschlechtsliebe bislang richtig erkannt habe.</p>
<p style="text-align: left;"><strong></strong> </p>
<h4 style="text-align: left;">Sexualität, Trieb und Gefühl: in der Gestalt der Liebe</h4>
<h4 style="text-align: left;">zwischen Determiniertheit, Freiheit  und  Emergenz</h4>
<p style="text-align: left;">Ortega macht zunächst darauf  aufmerksam, daß das Wort Liebe in unserer Vorstellung eine vielgestaltige Gefühlsfauna abdeckt: Liebe zu Gott, zu einer Frau,Vaterlandsliebe, Mutter-und Kindesliebe,Nächstenliebe usw. Liebe als Gefühlsakt sei ungemein heterogen generiert.Er unterscheide sich von Gefühlszuständen wie Lust, Freude und Trauer.</p>
<p style="text-align: left;">Der hier vorherrschende  zentrale Begriff  ist die <strong>Liebeswahl</strong>, mit der sich Ortega psychologisch, anthropologisch und auch ontologisch beschäftigt. Sind Menschen bei der Auswahl ihrer Geschlechtspartner frei? Bin ich  auf welche Weise auch immer determiniert  im Vorziehen oder Zurückstellen  meiner Präferenzen für einen Partner?Welcher Teufel reitet eigentlich den tollen Freier, den in jeglicher Hinsicht, so scheint es oft, begehrenswerten Mann, den  so attraktiven Phänotypus, der in Beruf und Gesellschaft erfolgreich ist und dem, wie man sagt, die Frauen zufliegen: Welcher Teufel reitet diesen sinnlich-übersinnlichen Freier in Goethes Sinne oft, sich in ein Mauerblümchen zu verlieben? Irgendwie hat Ortega zur Lösung dieser Frage plaubsible Antworten zur Hand. Wir sind scheinbar frei in unserer Partnerwahl und dennoch, wie es das Leben zeigt, irgendwie determiniert. Jedenfalls wählen wir meistens nicht das, was uns in der Vorstellung vorschwebt, sondern etwas anderes.</p>
<p style="text-align: left;">Die Sexualität in der Gestalt der rein körperlichen Liebe, also der Geschlechtsinstinkt, wie er auch den Tieren eigen ist, begleitet alle Liebesformen: <span style="color: #888888;"><em><span style="color: #008000;"><strong>So gibt es keine Liebe ohne Geschlechtsinstinkt.</strong></span> </em></span><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;">Sexualität, praktisch in den Blick genommen, wird von Ortega demgemäß in unterschiedlichen Ausdrucksformen behandelt.  Die Erotik ist auf der Ebene der Geschlechtsliebe anzutreffen, wobei der geschlechtliche Vitaltrieb gewissermaßen als Motor wahrgenommen wird. Denn, man spürt Begierde, ehe man die Situation oder die Person kennt, die sie befriedigt,so Ortega. Der Trieb bzw. Instinkt ist auf die Erhaltung der Art, die Liebe als Gespielin des Eros auf die Person gerichtet. Die Tendenz,<strong> </strong><span style="color: #008000;"><strong>seine Individualität in der des anderen aufzulösen und umgekehrt die des Gebiebten in seine eigene einzusaugen</strong> <span style="color: #000000;">betrachtet Ortega als eine Verschmelzung der ICHE: Ich bin Du! Diesen mittels Einfühlung erreichbaren Zustand erfahren die Liebenden als Zustand der Volkommenheit ihrer Liebe.Er besteht darin, <span style="color: #008000;"><strong>daß der Liebende in metaphysischem Sinn durchlässig wird und nur in der Verschmelzung mit der Geliebten, in einer Individualität zu zwei, Befriedigung findet. </strong><span style="color: #000000;"><strong>Max Scheler beschreibt  genau dieses Ereignis als Prozeß, dessen Ziel die Partner</strong> <strong>durch Einsfühlung</strong> <strong>erreichen</strong>.</span></span></span></span></span></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #888888;"><em><span style="color: #008000;"> </span></em></span></p>
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		<title>Religion und Spiritualität</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 17:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gkuehnle</dc:creator>
				<category><![CDATA[brain & mind interaction]]></category>

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		<description><![CDATA[Jede Seele hat Religion
Mehrere aktuelle übernationale Untersuchungen bzw. Umfragen zeigen: Auf hohem Niveau und in zunehmendem Umfange bezeichnen sich die Menschen als spirituell. Gleichzeitig verlieren die traditionellen Kirchen in Europa an Zuspruch. Wie lässt sich diese gegenläufige Entwicklung einer, wie es scheint,  gleichartigen Sache erklären? Die europäisch-abendländische Gesellschaft, der Westen also, befindet sich auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4 style="text-align: center;">Jede Seele hat Religion</h4>
<p style="text-align: left;">Mehrere aktuelle übernationale Untersuchungen bzw. Umfragen zeigen: Auf hohem Niveau und in zunehmendem Umfange bezeichnen sich die Menschen als spirituell. Gleichzeitig verlieren die traditionellen Kirchen in Europa an Zuspruch. Wie lässt sich diese gegenläufige Entwicklung einer, wie es scheint,  gleichartigen Sache erklären? Die europäisch-abendländische Gesellschaft, der Westen also, befindet sich auf dem Weg zu einer zunehmenden Säkularisierung als Folge falsch interpretierter Aufklärung.  Sich seines Verstandes im Sinne von <strong>Immanuel Kant</strong> zu bedienen setzt voraus, daß man genügend davon besitzt. Trotzdem sind spirituelle Erfahrungen keineswegs unzeitgemäß. Sinnfragen des Lebens wie zum Beispiel: Was verleiht dem Leben Bedeutung? Gibt es jenseits des naturwissenschaftlich Erklärbaren Phänomene, die, wenngleich transzendent, so aber doch existent sind? Folgt die Welt einer höheren Bestimmung? Antworten darauf kann Spiritualität leisten. Sie ist nicht nur populär, sondern- und das macht sie verdächtig- sie ist oft Ausdruck schillernder Farbenpracht phantasievoller Strömungen menschlichen Geistes (Spiritus= der Geist, vgl. Heiliger Geist im Sinne von Sanctus Spiritus als dritte Person der Gottheit im christlichen Sinne): Ein mixtum compositum übernatürlicher Phänomene, Esoterik und Meditation, philosophische Formen der Sinnstiftung halten hiervon affizierbare Gemüter in Wallung.</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<h4 style="text-align: center;">Im Focus der empirischen Wissenschaften:</h4>
<h4 style="text-align: center;">Spiritualität und Religion</h4>
<p style="text-align: left;">Religion und Spiritualität lassen sich nicht klar und ohne weiteres gegeneinander abgrenzen. Beiden ist ein zentraler Aspekt gemeinsam: das Gefühl der Verbundenheit mit einer höheren Macht, mit dem Kosmos und den Mitmenschen. Einerseits neigen viele Menschen dazu, sich von den traditionelen Glaubenslehren abzukehren und sich den jeweiligen Kirchen oder Glaubensbekenntnissen quer über den ganzen Erdball zu entfremden. Das macht  andererseits diese Apostaten nicht zu Menschen ohne sprituelles Empfinden.  Die Spiritualität hat aktuell Konjunktur. Das liegt nicht zuletzt an dem Dank moderner Neurowissenschaft und Neurobiologie gewonnenem Wissen über die Interaktion von Gehirn und Geist. Religion und Spriritualität sind die Verfassung, die Grundstrucktur jeder menschlichen Seele: Jede Seele hat Religion. <strong>Siegmund Freud</strong> vertrat eine pathologische Sichtweise. Er hielt Spiritualität und Religion für zwangsneurotisch und infantil. <strong>Charles Darwins</strong> Überzeugung hat bis heute ernst zu nehmende Anhänger: Er fasste Religion/Spiritualität ganz allgemein als eine unabhängig von jeweiligen Glaubensrichtungen gegebene  Beziehung des Menschen zu übernatürlichen Wesen auf.</p>
<p style="text-align: left;">Wissenschaftler unterscheiden  zwischen extrinsischer und intrinsischer Religiosität.<strong>Extrinsisch</strong>:  Zweckbestimmt! Subjekt sucht  sozialen Anschluß und wendet sich einer  Glaubensgemeinschaft zu. Der Mensch sucht Beistand bei höheren Mächten. <strong>Intrinsisch:</strong> Das religiöse Gefühl wird um seiner selbst willen kultiviert ( Meditieren um zu meditieren und nicht etwa, um den Blutdruck zu senken). Wissenschaftliche Beachtung findet aktuell nur die intrinsische  Religiosität/Spiritualität. Umfangreiche, multifaktorielle und übernationale Untersuchungen haben jüngst gezeigt:  Zahlreiche psychologische Variablen sind mit intrinsischer Religiosität korreliert. Glückserleben und Zufriedenheit gehen in exorbitant hohem Maße mit religiösen und spirituellen Überzeugungen einher. Menschen, die  im religiösen Glauben oder/und in spiritueller Hinwendung zur Bezugsspäre leben haben  weniger Furcht vor dem Tod, sind stärker sozial motiviert, neigen zur Empathie und zum altruistischen Handeln, sind stärker gegen Klischees, gegen Vorurteile gefeit und sind in kritischen Lebenssituationen die besseren Problemlöser.</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<h4 style="text-align: center;">Kulturprodukt Spiritual Brain?</h4>
<p style="text-align: left;">Ein namhafter kanadischer Neurowissenschaftler hat entdeckt, daß wir von einem &#8221; Spritual Brain&#8221;  wohl deshalb sprechenuns berechtigt betrachten können, weil Geist mehr ist als das Produkt neurochemischer Prozesse. Nahtoderfahrungen dienten bei der Untersuchung  als Antezedenzen der wissenschaftlichen Conclusio. Ganz allgemein sprechen in Summa die heutigen neuropsychologischen Erkenntnisse dafür, daß Spiritualität und Religiosität dem Kulturmenschen  angeboren sind. Dabei fiel auf, daß  individuelle Spiritualität, die dem Menschen einen sinnhaften Ort im Kosmos zuweist, stärker vor Depressionen schützt als beispielsweise der regelmäßige Kirchgang. Inzwischen wissen wir, daß Spiritualität der Gesundheit von Seele und Körper, dem Wohlbefinden im Allgemeinen dienen kann und Vitalzustände fördert. Spiritualität ist deshalb  schon in den USA integraler Bestandteil der medizinischen und psychotherapeutischen Ausbildung. In der oben erwähnten wissenschaftlichen Untersuchung wurde auch geprüft, welches  inhaltliche Verständnis die Probanden von Spiritualität besitzen. Etwa 50 % geben Trenszendenz, Erfahrung und Erleben von, eine Beziehung zu Übernatürlichem an.Ein Fünftel nimmt Gefühle und Harmonie unter diesem Titel an. Ebenso viele Probanden nennen Glauben unabhängig von Religionsbekenntnissen. Lebensphilosopie (17 %) , Selbstfindung (14 %)  sind repräsentativ, Esoterik und Okkultismus signifikant überrepräsentativ vertreten. Gott fühlen sich mehr religiöse Menschen ( 67 %) nah als sprituell Aktive ( 47 %). Eine durch die Bertelsmann-Stiftung durchgeführte Forschung, die Probanden relational zur Einwohnerzahl in ganz Europa einschloß, hat jüngst gezeigt: Zweidrittel aller Europäer (69 %) glauben an Gott oder an ein göttliches Wesen. Außerdem sind sie vom Weiterleben nach dem Tode überzeugt. Knapp ein Viertel (23 %) der Menschen in Europa ist nicht religiös.</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<p style="text-align: center;"><strong>Ortega y Gasset: </strong></p>
<h4 style="text-align: center;">Religion ist das Wachsein eines Lebewesens </h4>
<p style="text-align: left;">Gehen wir mit Kulturanthropologie zurück auf die Urform Mensch zu sein, dann überrascht uns oft eine ausgeprägte Neigung des Menschen der Morgenröte, nach Sinn von Sein und Tod zu fragen. Hierin erblicken wir die Urform der Spiritualität, der Wurzel von Religion. Sie ist das Leben in und mit dem Übersinnlichen. Im Jagdessay von 1942 (Prologo) vergleicht <strong>José Ortega y Gasset</strong>  den Jäger und den Philosophen   nach <strong>Kants Modell</strong>: In mundo sensibilis atque intelligibilis.  Der Jäger ist der wache Mensch draussen im Felde. Der Philosoph der wache Mensch drinnen auf dem Feld des Geistes. Was alo bedeutet Wachheit, Wachsein im tieferen Sinne über Aufmerksamkeit hinaus? Wachheit des Menschen in diesem Sinne ist  das  tierhafte Urgefühl der  Angst vor dem Vollendetsein, vor dem Tod. Mit Religion bezeichnen wir auch das Wachsein im Augenblick der Beherrschung des Daseins, wenn dieses überwältigt, verneint, ja, vernichtet wird (Matyrer). Fürchten und Lieben, nicht Hassen und Lieben sind Grundgefühle der Religion. Geburt und Tod sind für den Menschen Geheimnisse gleicher Art. Der Glaube ist die unabdingbare Kopula zwischen Religion und Wirklichkeit. Erst mit ihm beginnt das menschliche Geistesleben überhaupt. Schicksal ist für das religiöse Denken stets eine kausale Größe.</p>
<p style="text-align: left;">Mit dem Bewußtsein der eigenen Sterblichkeit erreicht jene Zeitlichkeit, deren Entfaltung die Entwicklung des Seins mitbestimmt ihren Höhepunkt. Die Entstehung des Selbstbewußtseins ist an das Todesbewußtsein gekoppelt. Das jedoch in eigentümlich zirkulärer Weise, weil ein elementares Selbstbewußtsein schon existieren muß, um den Tod als eigenen Tod zu denken. Der Zusammenhang zwischen Todesbewußtsein und Selbstbewußtsein ist deshalb so faszinierend, weil paradoxerweise alleine das Todesbewußtsein den Tod zu einem metaphysischen Affront macht. Ein Wesen mit Selbstbewußtsein kann insofern als Abbild des Absoluten angesehen werden. Die unbedingte Würde des Menschen resultiert daraus, daß er Träger von etwas ist, das das Absolute widerspiegelt. Das ist zugleich der Grund dafür, daß  der Tod eines selbstbewußten Wesens etwas unvergleichlich Schrecklicheres ist als das Verenden eines Tieres mit Bewußtsein. Mit der Einsicht in den Tod erscheint auch eine allgemein tierische Fähigkeit in besonderem Lichte: Die Fähigkeit zu töten. Im Falle des Selbstbewußtseins nimmt sich der Tod nur das, was ihm sowieso gehört, weil es sich ihm verdankt! Hierin liegt wohl der Grund für  Furcht und zugleich Faszination des Selbstbewußtseis angesichts des Todes. Deshalb, so scheint es, verspüren viele Menschen das Bedürfnis, den Tod herauszufordern. Das Ich als Instanz des Selbstbewußtseins vermag den Tod nicht zu überwinden, es kann aber mit ihm kokettieren und für viele Menschen bringt dieses Spiel ein extremales Kickerleben. Bei riskanten Sportarten ebenso wie im Vollzuge der Jagd, wenn der Jäger beim Töten des Tieres neben vielem sonst einen kathartischen Effekt wie bei der Sexualität erlebt. Allerdings ist dieser spirituell-biotisch verschränkte Wesenszug der Jagd noch nicht richtig begriffen worden. José Ortega y Gasset verdanken wir die Bedingung der Möglichkeit von Verstehen dieser Sphäre einer faszinierenden Interaktion von Geist und Gehirn.</p>
<p style="text-align: left;">  Die Spannung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos  wird als ein Milieu erfahren, das man liebt, in das man sich versenken kann. So die gläubige Seele, die sich in großer Demut  am Altar des Domes ehrfürchtig im Glauben vor ihren Gott niederwirft, um sich mit Ihm zu vereinen, sich in ihn zu vertiefen, ihre Tiernatur zu höheren Sphären aufsteigen zu lassen. Die religiöse Überwindung der Angst ist wohl die höchste und  zugleich erste Kulturleistung des Menschen. Sie findet sich heute unbemerkt zum Beispiel im Vollzuge der Wildtierjagd, wenn im Jäger  beim Töten des Wildes ein extremales Erleben, eine Kickerfahrung  die Seele in reaktivem Glückserleben durchfurcht. Das jagende Subjekt  erfährt dabei  im unbewußten Erleben der Naturbeherrschung für den Wimpernschalg der Evolution  in gleicher Weise unbewußt  die Macht über den eigenen Tod.   Deshalb handelt es sich bei der auf Erleben gerichteten Wildjagd um einen kulturellen Elementartrieb und nicht etwa, wie viele Jäger vermuten, um einen archaischen Trieb oder gar um einen Atavismus. <strong>Diese Erkenntnis verdankt der moderne Jäger allein den tiefsinnigen Ausführungen, Axiomen und festgestellten Grundtatsachen des Lebens durch den spanischen  Kulturphilosophen José Ortgega y Gasset.</strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong> </strong></p>
<h4 style="text-align: center;">Religion ist Wurzel und Wesen jeder Kultur</h4>
<p style="text-align: left;">Religion ist aber auch die Wurzel, der Ursprung  und das Wesen jeder  Kultur. Religion ist Metaphysik,nichts anderes. Mit <strong>Immanuel Kant</strong> ist erkannte, bewiesene (nicht dogmatische), für bewiesen gehaltene Metaphysik reine Philosophie oder Gelehrsamkeit. Es gibt keine Naturwissenschaft ohne eine ihr vorauslaufende Religion.  Erlebte Metaphysik dagegen, das Undenkbare als Gewißheit (psychologische statt logische Evidenz!), das Übernatürliche als Ereignis, das Leben in einer nicht wirklichen, aber wahren Welt sind Bezugsgrößen zwischen Leben und Tod der Kulturmenschheit, die in einer Macht zusammenfließen, welche wir Schicksal zu nennen pflegen.</p>
<p style="text-align: left;">&#8220;Mein Reich ist nicht von dieser Welt&#8221; , das ist das letzte Wort und der letzte Sinn jenes historischen Augenblicks in dem<strong> Pilatus und Jesus</strong> sich gegenüber standen. <strong>&#8220;Was ist Wahrheit?&#8221;,</strong> so lautet die berühmte Frage des römischen Prokurators, und in ihr liegt der ganze Sinn der Geschichte: Der Rang der Staatsmacht, des Krieges, des Blutes und die mit Stolz erfüllende universelle Kraft des Erfolges. Nicht der Mund des <strong>Christus,</strong> das schweigende Gefühl einer über alles Religiöse entzscheidenden Gegenfrage hat darauf geantwotet:&#8221;<strong> Was ist Wirklichkeit?&#8221;.</strong> Für Pilatus war sie alles, für Jesus nichts. In der historischen Welt wurde der Galiläer  ans Kreuz geschlagen, das war sein Schicksal. In der anderen verfiel Rom der Verdammnis, und das Kreuz  wurde zur Bürgeschaft der Erlösung.</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
<h4 style="text-align: center;">Problem Glaube </h4>
<p style="text-align: left;">Das ursprünglich erste und einzige Verstehen des Menschen ist der Glaube. Geglaubt werden Wahrheiten. Wahrheiten sind unverrückbare Größen, sie stehen fest, sie sind absolut. Absolut( lat. absolvere= loslösen)  bedeutet losgelöst. Der Glaube basiert auf absolutem Wissen: Das ist sein Schicksal und  eine der besonderen Gefahren für die Kulturmenschheit. Deshalb fällt es auch so schwer, dem fundamentalen, notwendig zur Absolutsetzung verdammten Glauben Toleranz zu verordnen. Religion ist deshalb immer Ideologie verdächtig! Wer der Andere gegenüber meinem Glauben ist, der ist nicht irgendeiner, den ich respektiere, sondern der ist mein Feind. Hier liegt des Wurzel des sowohl christlichen wie islamischen Fundamentalismus. Wir verdrängen es gern, daß auf solche Weise auch besonders fest im Glauben verankerte Christen  ebenso wie die Islamsiten die  wahren Feinde einer offenen Gesellschaft sind.</p>
<p style="text-align: left;">Oslo, Norwegen: Das Tremendum in diesen Tagen sollte uns gemahnen, über Zusammenhänge dieser immanenten Kräfte der Sozialität in  einer Demokratien nachzudenken. Mit dem Merkmal Massenmörder einfach abzutun und damit Firnis über das zu legen, was in der Tiefe weiter gährt, ist selbstmörderisch und zeigt, daß nichts verstanden wurde. Außerdem ist das, was in Norwegen individuelle Machtanmassung zur Katastrophe für zahlreiche Menschen werden ließ nicht Mord, weil sich das Handlungsmotiv des Akteurs nicht gegen die Person, sondern gegen ein gesellschaftliches Phänomen gerichtet hat (vgl. dazu <strong>Max Scheler</strong>: Das Töten im Krieg)  Hier geschieht eher das, was <strong>Thomas Hobbes</strong> mit bellum omnium contra omnes im Blick hatte. Seine Lösung des Problems ( im <strong>Leviathan</strong>) ist bekannt. Demokratien müssen sie nur stärker nutzen. Würde <strong>Machiavelli</strong>  in höchsten  Spitzen von Politik und Kultur  nicht so grundlegend falsch verstanden, dann könnte sein Konzept freiheitliche Demokratien und offene Gesellschaften vor Horrorszenarien und Untergangsängsten besser schützen.</p>
<p style="text-align: left;">Die Geschichte zeigt uns, daß der Zweifel am Glauben (Rationalismus, Kants Vernunftkritik u.a.m.) zum Wissen führt und der Zweifel am Wissen zurück zun Glauben. Das kritische Wissen setzt den Glauben voraus, daß seine Theorien  genau zu dem führen, was man sucht. Inzwischen haben wir erfahren, daß der Glaube an ein voraussetzungsloses Wissen nur die ungeheuere Naivität eines rationalistischen Zeitalters zum Vorschein bringt.</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
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